Boris Becker, Nicolas Cage und Kate Hudson, so verschieden diese Promis sein mögen, eines haben sie gemeinsam: Alle drei stehen oder standen kurz vor einer Pleite. Während Hudson und Cage in Immobilien investieren, die sie sich nicht leisten konnten, verlor Becker die Finanzen der drei Mercedes-Autohäuser, die er besaß, aus den Augen.

Insolvenz. Eine der Schreckensvorstellung nicht nur jedes Prominenten, sondern auch jedes Gründers, Geschäftsführers und Mitarbeiters ist es, dass der Laden, in den man Zeit, Kraft und Energie investiert hat, pleitegeht. Steckt das gesamte Kapital in Waren und in der Geschäftsausstattung, ohne dass die Zahlungsfähigkeit gegenüber Lieferanten im Blick gehalten wird, ist es schnell so weit. Ein Unternehmen muss seine Pforten schließen.

Liquiditäts- beziehungsweise Cashflow-Planung ist für Onlinehändler ein Punkt, der über Gewinn oder Pleite entscheidet. Lesen Sie in diesem Beitrag, was der Cashflow ist und warum der Geldfluss nicht mit dem Gewinn eines Unternehmens gleichzusetzen ist. Finden Sie außerdem heraus, wie Sie den Cashflow berechnen und dieses Wissen für Ihre Liquiditätsplanung nutzen, um profitabel zu bleiben.

First things first: Was bedeutet Cashflow?

Die Finanzstruktur der meisten Unternehmen stellen sich für viele Händler als ein kaum zu durchschauendes Wirrwarr aus großen und kleinen Zahlen dar. Doch es gibt ein Mittel oder vielmehr eine Kennzahl, die Abhilfe schaffen kann und die es erlaubt die Leistungsfähigkeit und finanziellen Möglichkeiten eines Business besser einzuschätzen.

Der Cashflow misst den Zu- oder Abfluss liquider Mittel eines Unternehmens, das bedeutet, dass er alle Ein- und Ausgaben umfasst, die zur sofortigen Zahlung zur Verfügung stehen. In erster Linie geht es dabei um Bargeld, das Bankguthaben der Firma und um Schecks, die sofort eingelöst werden können.

Um den Wert des Cashflows zu ermitteln, werden die Betriebsausgaben von den Betriebseinnahmen abgezogen. Wie Sie diese Rechnung für Ihr Business vornehmen können, erfahren Sie in den folgenden Abschnitten.

Der Cashflow, auch bekannt unter Kapitalfluss, Bargeldumlauf oder Zahlungsstrom, drückt die Ertrags- und Finanzkraft eines Unternehmens aus. Was heißt das konkret? Er gibt Unternehmern eine Auskunft darüber, ob sie langfristig dazu in der Lage sein werden Gewinne zu erzielen und erlaubt eine Beurteilung der finanziellen Situation, indem Einnahmen und Ausgaben gegenüber gestellt werden. Je höher er ist, desto geringer ist das Risiko eines Onlinehändlers, insolvent zu werden.

Der Cashflow kann dabei sowohl positiv als auch negativ sein. Bei einem positiven Kapitalfluss sind die Einnahmen größer als die Ausgaben. Ein Onlinehändler mit positivem Bargeldumlauf finanziert sich aus eigener Kraft. Ist Ihr Cashflow im positiven, grünen Bereich, fließen Ihrem Unternehmen Finanzmittel aus Ihrer eigenen wirtschaftlichen Tätigkeit zu, mit denen Sie arbeiten können. Das heißt Sie können ruhigen Gewissens Geld in Mitarbeiter, Produkte, Marketingmaßnahmen oder Materialbeschaffung investieren und so an Ihrem Umsatzboost schrauben.

Bei einem negativen Cashflow strömen mehr Gelder aus Ihrem Unternehmen hinaus als hineinkommen. Die Konsequenz eines negativen Geldflusses ist ein Liquiditätsengpass. Dieser kann zum Beispiel dazu führen, dass Ihre Firma Zahlungsverpflichtungen gegenüber Lieferanten und Banken nicht mehr nachkommen kann.

Der Unterschied zwischen Cashflow und Gewinn

Der Cashflow zeigt demnach an, ob Ihr Unternehmen in der Lage ist, seine Rechnungen zu begleichen oder nicht. Doch um den Kapitalfluss eines Unternehmens zu berechnen, müssen wir zunächst eine andere wichtige Kennziffer ausfindig machen: den Gewinn.

Der Gewinn wird als der Ertrags- oder Jahresüberschuss eines Unternehmens definiert. Sprich die Ausgaben in einem Geschäftsjahr werden von den Einnahmen abgezogen und voilà: Sie haben eine Gewinn-und-Verlust-Rechnung aufgestellt.

Sämtliche Einnahmen und Ausgaben, bei denen rein buchhalterisch Geld geflossen ist, werden aus dem Jahresüberschuss (Gewinn) oder Jahresfehlbetrag (Verlust) herausgenommen. Dabei handelt es sich beispielsweise um Abschreibungen oder Rückstellungen, durch die der Gewinn beeinflusst werden kann.

Da der Cashflow immun gegen Steuertricks ist, eignet sich diese Bilanzkennzahl besser dafür, die Finanzkraft einer Firma beurteilen zu können, als der Gewinn.

Immer den Cashflow im Blick behalten

Wie wird der Cashflow berechnet?

Da Sie nun im Bilde über die wichtigsten Finanzbegrifflichkeiten in Sachen Cashflow sind, kann es jetzt ans Eingemachte gehen: Wie berechnet man denn den Cashflow eines Unternehmens?

Die Berechnung des Cashflows ist mithilfe unterschiedlicher Methoden möglich. Am häufigsten werden die direkte und die indirekte Cashflow-Methode angewandt. Keine Sorge, diese sowie die alternativen Berechnungsmöglichkeiten:

  • die Free Cashflow-Methode,
  • die Discounted Cashflow-Methode
  • und der Cashflow Return on Investment

werden im Folgenden erläutert.

1. Die direkte Methode

Bei der direkten Methode werden, wie oben bereits erläutert, die Ausgaben von den Einnahmen abgezogen. Das heißt, es wird die Differenz aus zahlungswirksamen Erträgen und zahlungswirksamen Aufwendungen gebildet.

Der sperrige Begriff der „zahlungswirksamen Erträge“ umfasst dabei die Umsätze, also alle Einnahmen eines Unternehmens sowie Erträge aus Zinsen, die für Gelder anfallen, welche Sie auf Ihrem Firmenkonten vorfinden. Die „zahlungswirksamen Aufwendungen“ hingegen geben an, wie viel Geld ein Unternehmen für Personal, Verbindlichkeiten, Investitionen und so weiter ausgibt.

Direkter Cashflow = zahlungswirksame Erträge – zahlungswirksame Ausgaben

Diese Berechnungsmethode eignet sich insbesondere dann für Sie, wenn Sie herausfinden möchten, wie gut Ihr Unternehmen dazu in der Lage ist, finanzielle Mittel aus eigener Kraft zu erwirtschaften. Mit diesem Wissen können Sie beispielsweise abschätzen, ob es für Sie sinnvoll ist einen Kredit aufzunehmen oder einen Warenfinanzierer zu beauftragen, der Sie dabei unterstützt Ihre Lieferanten pünktlich zu bezahlen.

2. Die indirekte Methode

Die zweite Berechnungsalternative auf unserer Agenda ist die direkte Methode. Die Basis dafür bildet der Jahresüberschuss, also Ihre positive Differenz aus Erträgen und Aufwendungen in einem Geschäftsjahr.

Von ihm werden die nicht zahlungswirksamen Erträge abgezogen. Nicht zahlungswirksam sind dabei alle Werte, die zwar die Gewinn-und-Verlust-Rechnung des Unternehmens beeinflussen, für die aber zugleich keine Gelder in oder aus dem Business fließen.

Zu den nicht zahlungswirksamen Erträgen zählen beispielsweise Entnahmen aus Rücklagen oder die Auflösung von Rückstellungen. Rückstellungen meinen Zahlungen, die Ihr Unternehmen einplant, ohne deren genaue Höhe zu kennen.

Stellen Sie sich zum Beispiel den unglücklichen Fall vor, Ihr Unternehmen führt einen Gerichtsprozess im aktuellen Geschäftsjahr. Sie wissen noch nicht genau, welche Prozesskosten auf Sie zukommen werden, treffen aber eine Schätzung, um einen finanziellen Puffer dafür zu haben. Diese können Sie als Rückstellungen zu Ihren nicht zahlungswirksamen Erträgen aufnehmen. Werden sie aufgelöst, entfällt eine Schuld, die Sie bei Ihrer Budgetplanung berücksichtigt hatten. So steht Ihnen mehr Cash an anderer Stelle zur Verfügung.

Nachdem Sie schließlich alle Erträge dieser Kategorie erfasst haben, werden die nicht zahlungswirksamen Aufwendungen hinzuaddiert. Betreiben Sie beispielsweise eine Produktionsfabrik, gehören dazu Maschinen, die im Laufe der Zeit an Wert verlieren. Durch die Wertminderung eines Arbeitsgeräts erleidet ein Unternehmen folglich am Ende des Jahres einen Verlust, obwohl kein Geld ausgeben wurde.

Indirekter Cashflow = Jahresüberschuss – nicht zahlungswirksame Erträge + nicht zahlungswirksame Aufwendungen

Diese Methode zur Berechnung des Cashflows ist die einfachste. Wenn sie also auf der Suche nach einer einfachen Möglichkeit sind Ihre Finanzkraft zu ermitteln oder Wert darauf legen, dass Ihre Rechnung auch für Außenstehende nachvollziehbar ist, sollten Sie diesen Weg wählen.

3. Die Free Cashflow-Methode

Kandidat Nummer drei ist die Free Cashflow Methode. Diese setzt sich aus dem operativen Cashflow und dem Cashflow aus Investitionstätigkeit zusammen. Es werden also zwei Größen betrachtet. Zum einen das Geld, das Ihr Unternehmen in einem bestimmten Zeitraum verdient hat. Zum anderen die Differenz zwischen Ein- und Auszahlungen bei den Investitionen einer Firma. Das sind beispielsweise Anzahlungen für Maschinen und andere Gegenstände, die für das Unternehmen benötigt werden, oder auch Anzahlungen im Bereich der Forschung.

Der „freie“ Cashflow ist so frei, weil er anzeigt, wie viel Geld in Form von Dividenden (also des Teils des Gewinns, der von Aktiengesellschaften an ihre Aktionäre weitergegeben wird) an die Aktionäre ausgeschüttet oder für die Rückzahlung einer bestehenden Fremdfinanzierung verwendet werden kann.

Das bedeutet konkret: Falls jemand in mein Unternehmen investiert hat, kann ich ihm entweder einen Reingewinn ohne Zinsgewinne (Dividenden) auszahlen oder ihm das Geld, das er investiert hat, zurückzahlen. Aufgrund dieser Aussagekraft dient der Free Cashflow häufig als Grundlage für eine Kreditentscheidung. Folglich sollten Sie sich für die Free-Cashflow-Methode entscheiden, wenn sie sich auf einen Kredit bewerben möchten.

4. Die Discounted Cashflow Methode

Bei der Discounted Cashflow Methode geht es darum, den Marktwert eines Unternehmens zu ermitteln. Das sogenannte DCF-Verfahren stammt aus Amerika und hat international eine hohe Bedeutung. Sind Sie mit Ihrem Unternehmen selbst international tätig oder ist der internationale Handel durch einen grenzüberschreitenden Unternehmenszusammenschluss entstanden, ist diese Methode zur Berechnung des Kapitalflusses für Sie am besten geeignet, da sie international anerkannt ist.

Die Ermittlung des DCF ist durch zwei verschiedene Verfahren möglich. Bei der sogenannten Bruttokapitalisierung oder Entity-Methode – auf Deutsch könnte man sie als Eigenkapital-Methode übersetzen – wird zuerst der Gesamtwert des Unternehmens durch die Diskontierung (Eine Rechenoperation, mit der der Wert einer zukünftig anfallenden Zahlung ermittelt wird) des geplanten Free Cashflows ermittelt. Der ausführliche Rechenweg wird auf der Seite des Deutschen Instituts für Unternehmensnachfolge beschrieben.

Anschließend wird der Marktwert seines Fremdkapitals abgezogen. Eine Kennziffer, die Ihr Fremdkapital in einen Wert übersetzt, durch den Ihr Unternehmen vergleichbar mit anderen Marktteilnehmern wird. So ergibt sich der Marktwert des Eigenkapitals.

Dieser Wert gibt wiederum an, für wie wertvoll andere Marktteilnehmer Ihr Eigenkapital halten und stellt ebenfalls eine Kennziffer dar, durch die der Wert Ihres Unternehmens verglichen werden kann. Denn durch ihn machen Sie sichtbar, wie sehr Aktionäre und Anteilseigner von Ihrem Unternehmen profitieren können, wenn sie in Ihr Geschäft investieren. Aus diesem Grund ist die Discounted Cashflow Methode für Sie insbesondere dann sinnvoll, wenn Sie auf der Suche nach Geldgebern sind, die Ihrem Business zu mehr Wachstum verhelfen.

Bei der Nettokapitalisierung, auch Equity-Methode erfolgt die Berechnung des Unternehmenswertes in einem einzigen Schritt. Hier wird der Unternehmenswert zu einem bestimmten zukünftigen Zeitpunkt ermittelt, wodurch sie eine direkte Auskunft über die Höhe und den Wert Ihres Eigenkapitals erhalten.

Diese Methode empfehlen wir Ihnen, wenn Sie im Ausland tätig sind und eine Entscheidung darüber treffen möchten, ob es für das weitere Bestehen Ihres Unternehmens sinnvoll ist, einen Kredit aufzunehmen oder einen Warenfinanzierer zu engagieren.

Die Cashflow Return on Investment-Methode

Im Gegensatz zum Discounted Cashflow orientiert sich die Ermittlung des Kapitalflusses nach der sogenannten CFROI-Methode an der Vergangenheit. Der Unternehmenswert ergibt sich, indem die ökonomischen Abschreibungen vom Bruttocashflow angezogen werden.

Die ökonomischen Abschreibungen geben an, wie viel Geld ein Unternehmen für zukünftig anfallende Ersatzinvestitionen tätigen muss. Beispielsweise hat ein Computer nur eine begrenzte Lebenszeit. Im Schnitt läuft der PC in der Buchhaltungsabteilung vier bis sechs Jahre. Danach muss ein Ersatzgerät her. Selbstverständlich geht es bei den Ersatzinvestitionen nicht nur um technische Geräte, sondern um alles, was sich zum sogenannten Sachlagenvermögen zählt: Gebäude müssen renoviert werden, Möbel ausgetauscht und Arbeitsgeräte ersetzt werden.

Zu guter Letzt wird das Ergebnis durch die Bruttoinvestitionsbasis geteilt. Sie ergibt sich aus der Summe aller in ein Unternehmen investierten Mittel, abzüglich des nicht verzinslichen Fremdkapitals.

CFROI = Bruttocashflow – Ökonomische Abschreibungen / Bruttoinvestitionsbasis

Ist Ihr CFROI höher als die Kapitalkosten, hat Ihr Unternehmen an Wert gewonnen.

Und hier kommen die sogenannten Kapitalkosten ins Spiel, also die Kosten, die beim Aufbau des Unternehmenskapitals entstehen: Sie haben Ihr Business in aller Regel nicht lediglich zur bloßen Beschäftigung von Arbeitnehmern aufgebaut, sondern um aus Ihrem vorhandenen Kapital wie Geld, Werkzeugen und Personal, Gewinne zu erzielen.

Doch zunächst muss das bestehende Kapital weiter aufgebaut werden und dabei fallen Kapitalkosten an: auf Kredite müssen Zinsen gezahlt werden, Produkte, die weiterverarbeitet oder verkauft werden sollen, müssen angeschafft werden.

Sind Sie an einem Punkt angelangt, an dem der CFROI höher als diese Kapitalkosten ist, hat Ihr Unternehmen an Wert gewonnen. Die Cashflow Return on Investment-Methode gibt Ihnen folglich die Möglichkeit, die Entwicklung Ihres Unternehmens zu beobachten. Wächst es oder sollten Sie Schritte einleiten, um das Schreckgespenst Insolvenz fernzuhalten?

Verbesserung der Liquidität durch Warenfinanzierung

Eine gute Planung entscheidet häufig über den Erfolg eines Unternehmens. Sie verhindert Produktionsengpässe und Verzögerungen in der Bestellabwicklung. Auch Liquiditätsengpässe lassen sich durch die sorgfältige Vorbereitung des Einsatzes finanzieller Mittel vermeiden.

Einen wichtigen Beitrag zur Aufrechterhaltung der eigenen Liquidität kann beispielsweise die Finanzierung von Lieferantenverbindlichkeiten durch Warenfinanzierer leisten. Dabei bezahlt der Kreditgeber im Namen des Händlers die Rechnungen von Zulieferern. Zusätzlich gewährt der Finanzdienstleister dem Unternehmer die Möglichkeit seine Schuld ihm gegenüber zu einem späteren Zeitpunkt zu bezahlen. Rechnungen können so 30 bis 180 Tage nach der eigentlich Frist beglichen werden und das Unternehmen profitiert von einer erhöhten Liquidität.

Damit es Ihnen nicht wie Boris Becker, Nicolas Cage oder Nicole Hudson geht, planen Sie frühzeitig und halten Sie Ihren Cashflow im Auge, so hat das Bangen um die „Insolvenz“ ein Ende und Sie können sich auch weiterhin an Ihrem wachsenden Unternehmen erfreuen, der Grow liegt schlussendlich im Flow.

Titelbild von Gerd Altmann. Weiteres Bild von Sharon McCutcheon.