Vier Wochen Zoll und kein herankommen an die Ware. Das erlebte das mittlerweile sehr erfolgreiche Start-up für Sneakersocken Snocks. Schon die erste Warenbestellung in China wurde so zur bitteren Lehrstunde. Denn die wochenlangen Verzögerungen aufgrund mangelnder Vorbereitung für die Zollabwicklung kostete nicht nur viel Zeit und Mühe, sondern führten auch zu Liquiditätsengpässen.

Für viele Kunden ist der Prozess rund um die Ein- und Ausfuhr von Produkten in die EU äußerst intransparent und das ist nicht weiter schlimm. Doch wenn sich dieser Prozess negativ auf ihr Kauferlebnis auswirkt, ist die Konsequenz häufig, dass sie keine weitere Bestellung in Ihrem Shop tätigen.

Sie als Onlinehändler können dies durch gezielte Vorbereitung vermeiden und zudem viel Zeit, Geld und vor allem Aufwand beim Import sparen. Lernen Sie die wichtigsten Aspekte für eine reibungsfreie Zollabwicklung aus dem Ausland kennen und optimieren Sie Ihre Prozesse.

Wann müssen sich Onlinehändler mit der Zollabwicklung befassen?

Eine der großen Vorteile der EU ist, dass Sie sich beim Import aus einem anderen EU-Staat keine Gedanken über die Zollabwicklung machen müssen. Doch speziell im E-Commerce sind Produkte aus dem Fernen Osten, insbesondere aus China, sehr interessant. Wenn Sie aktuell oder zukünftig Waren aus einem außereuropäischen Drittland (ein Land das nicht dem europäischen Wirtschaftsraum oder den EFTA-Staaten angehört) importieren, gibt es Hürden, die Sie im Vorfeld kennen sollten, um die wesentlichen Herausforderungen beim Import souverän zu meistern. Diese sind:

  • Die Suche nach dem richtigen Zulieferer, beispielsweise mittels Sourcing
  • Die Planung der Produktion im Ausland und die Inspektion der importieren Waren
  • Die Kosten und Bedingungen, die Sie im Rahmen der Einfuhr von Waren in die EU erfüllen müssen.

Mit 110 Milliarden Euro Umsatz im Import, führt China die Liste der deutschen Handelspartner seit mehreren Jahren an, weshalb sich dieses Land repräsentativ gut für unsere Tipps heranziehen lässt.

Sourcing – Die Suche nach dem richtigen Zulieferer

Für neue Produkte oder Geschäftsbereiche kann es aus Kostengründen oft überlegenswert sein, Waren aus dem Ausland zu beziehen. Produzenten und Zulieferer variieren natürlich stark in Ihren Preisen, der Produktqualität, Durchlaufzeiten und nicht zuletzt in der Zuverlässigkeit hinsichtlich ihrer Geschäftsbeziehungen. Auch sprachliche, rechtliche und kulturelle Barrieren erschweren häufig die Entscheidung für einen Lieferanten.

Sourcing-Agenturen setzen genau dort an und sind darauf spezialisiert, als Vermittler zwischen Händlern und Zulieferern aufzutreten. Mit einer kurzen Google-Suche nach „Sourcing-Agent in China“ werden Sie schnell fündig. Abhängig von Ihrem Budget können Sie durchaus mehrere Agenturen beauftragen und Vergleichsangebote einholen.

Sie erhalten als Ergebnis dieser Dienstleistung eine Liste an infrage kommenden Zulieferern und Informationen über:

  • Produktions- und Lieferbedingungen
  • Zahlungskonditionen
  • Durchlaufzeiten und Kapazitäten
  • Retourenmanagement
  • Preise

Nutzen Sie Sourcing-Agenturen um zuverlässige Partner im Ausland zu finden und eine fruchtbare Zusammenarbeit zu starten.

Produktion und Inspektion bei importierten Waren

Sie haben sich für einen oder mehrere Zulieferer entschieden? Der nächste Schritt besteht darin Ihr Importprodukt gemäß Ihren Vorstellungen zu beauftragen. Gehen Sie dabei so detailliert wie möglich vor, dokumentieren Sie sämtliche Anforderungen und fordern sie Produktproben an.

Design, Verpackung, Material und rechtliche Notwendigkeiten halten Sie am besten schriftlich und nach Möglichkeit in Bildern fest. Auch in diesem Prozess finden Sie Unterstützung durch professionelle Agenturen. Diese können dabei helfen räumlichen und sprachlichen Barrieren zu beseitigen.

Lassen Sie sich auch von Mängeln bei den ersten Ergebnissen nicht aus der Ruhe bringen, Korrekturschleifen sind in diesem Prozess etwas völlig Normales. Behalten Sie Ihr Ziel im Auge und tasten Sie sich gemeinsam mit Ihren neuen Geschäftspartnern an das gewünschte Ergebnis heran.

Ist das Produkt schließlich an Ihre Vorgaben angepasst und größere Warenlieferungen stehen kurz bevor, befinden Sie sich unmittelbar vor dem schritt der Zollabwicklung. Speziell bei der Einfuhr aus Drittländern gibt es dabei einiges zu beachten.

Wieso werden Zölle erhoben und wie setzen sich die Beträge zusammen?

Unter Zoll versteht man Abgaben oder Steuern, die dann zu entrichten sind, wenn Waren grenzüberschreitend transportiert werden. Sie dienen vorrangig zum Schutz des jeweiligen Wirtschaftskreislaufs. Das bedeutet, dass beispielsweise der deutsche Markt und seine Produzenten geschützt werden, indem auf aus China importierte Waren Zölle erhoben werden.

In dem asiatischen Land können Waren günstiger produziert und dementsprechend verkauft werden als in der EU. Die erhobenen Gelder für die Zolleinfuhr gleichen den dadurch entstehenden Wettbewerbsvorteil gegenüber heimischen Produzenten aus. Das Preisniveau wird angeglichen. Der Schutzmechanismus Zoll wird folglich eingesetzt, um Chancengleichheit zu gewährleisten.

Je nach Warengruppen können die erhobenen Zölle dabei unterschiedlich ausfallen. Das bedeutet, dass Zolltarife entsprechend festgelegter Produktkategorien erhoben werden. Die Bundesfinanzverwaltung stellt Händlern das Online Tool EZT-online (Elektronischer Zolltarif) zur Verfügung, mit dessen Hilfe Sie die Abgaben bereits im Vorfeld ermitteln können.

Mit welchen Fragen sollten Sie sich im Zuge der Zollabwicklung auseinandersetzen?

Jeder Import aus einem Drittland muss bei der Zollbehörde angemeldet werden. Vorab gilt es jedoch weitere Fragen in Bezug auf die Zolleinführung zu klären. Diese sind:

  1. Dürfen Sie die von Ihnen benötigten Produkte in die EU importieren?
  2. Wo beantragen Sie eine EORI Nummer?
  3. Welche Ausgaben gilt es im Zuge des Imports zu kalkulieren?
  4. Wie gehen Sie mit den entstehenden Kosten um?

1. Dürfen Sie die von Ihnen benötigten Produkte in die EU importieren?

Erkundigen Sie sich vor der Beauftragung des Zulieferers bei der Zollbehörde, ob die Produkte, die Sie einführen möchten:

  • Einer Einfuhrbeschränkung unterliegen
  • Einer gesonderten Genehmigung bedürfen
  • Aufgrund eines Verbots nicht für den Import freigegeben sind

Spricht nichts gegen die Einfuhr, können Sie die weiteren Schritte planen.

2. Wo beantrage ich eine EORI Nummer?

Die EORI-Nummer (Economic Operators Registration and Identification Number) benötigen Sie, bevor Sie Tätigkeiten aufnehmen, die unter das Zollrecht fallen. Der Import von Waren aus Drittstaaten wie China in die Europäische Union erfordert diese zwingend zur Identifikation als Wirtschaftsbeteiligter. Sie können die Nummer kostenfrei beantragen. Nutzen Sie dafür das Bürger- und Geschäftskundenportal.

Tipp: Weitere Informationen zur EORI Nummer erhalten Sie in unserem Beitrag „EORI-Nummer beantragen: So geht effizienter Zollimport.“

3. Welche Ausgaben gilt es im Zuge des Imports zu kalkulieren?

Neben der Beantragung der EORI Nummer und der Klärung, ob Sie die gewünschten Produkte in die EU einführen dürfen, gilt es, wie immer im Geschäft, die anfallenden Kosten zu kalkulieren. Hierfür sollten Sie insbesondere den Zollwert und den Zollsatz sowie Personalkosten und Steuersätze berücksichtigen.

Zollwert und Zollsatz: die Kosten für die Einfuhr

Die Zusammensetzung der Kosten für den Import ergibt sich aus dem Zollwert. Er entspricht dem auf der Rechnung ausgewiesenen Einkaufspreis der Ware und dem Zollsatz.

Der Zollsatz ist abhängig von der Warengruppe, der Ihr Produkt zuzuordnen ist. Die Information, welcher Gruppe Ihre Bestellung angehört, können Sie über eine TARIC-Abfrage oder die EZT Online-Auskunft einholen. Es handelt sich bei den Werten um prozentuale Angaben, die Sie auf den importierten Warenwert inklusive Lieferkosten anwenden können.

Tipp: Incoterms regeln klar Träger von Kosten und Verantwortlichkeiten entlang der Transportstrecke, in unserem Beitrag „Incoterms – Das sind die neuen Regelungen“ erfahren Sie wie Ihnen diese Zeit und Geld im Importgeschäft sparen können.

Steuersätze entsprechend der Waren kalkulieren

Die Einfuhrumsatzsteuer sollten Sie bei Ihrer Planung ebenfalls nicht aus den Augen verlieren. Diese schlägt, abhängig von der Ware, mit 7 Prozent (ermäßigter Steuersatz) oder 19 Prozent zu Buche.

Personalkosten: Gehälter für die Beschäftigten

Zeit ist Geld. Daher ist es ratsam den personellen Aufwand für sämtliche Prozesse rund um den Import zu kennen und in der Kalkulation zu berücksichtigen sowie Leerlaufzeiten Ihrer Beschäftigten zu vermeiden.

Jeder überflüssige Tag, den Ihre Ware am Transportweg oder am Zoll verbringt, kostet Sie indirekt Geld. Arbeitnehmer können ihre Aufgaben nicht erledigen und Sie können zudem keine Umsätze mit den Produkten generieren, auf die sie warten. Damit werden Sie durch die Einfuhr von Waren auch vor eine finanzielle Herausforderung gestellt.

4. Wie gehen Sie mit Kosten im Zuge des Warenimportes um?

Bei anfänglich sehr verlockend wirkenden Preisen für Produkte aus Drittstaaten, können Kosten am Zoll schnell überraschen und auch Ihre Liquidität erheblich mindern. Hinzu kommen häufig längere Transportwege, die Ihr Kapital binden. Dadurch müssen Sie in Summe verhältnismäßig hohe Beträge vorstrecken, bevor Sie mit Ihren Waren Umsätze generieren können.

Um die erhöhten Ausgaben und Ihre Auswirkung auf Ihre Liquidität abzufedern, stellt die Warenfinanzierung eine smarte Lösung für Importeure dar. Unkompliziert beantragt, schaffen Sie durch rasch beglichene Rechnungen Ihres Zulieferers ein hohes Maß an Vertrauen und profitieren zusätzlich durch etwaige Skonti.

Die Zollabwicklung auslagern

Eine Möglichkeit den Aufwand für die Zollabwicklung auszulagern, besteht in der Nutzung von Versanddienstleistern die im Zuge Ihrer Transporttätigkeit zusätzliche Services inkludieren. Sie übernehmen dabei:

  • Die Anmeldung der Lieferung beim Zoll
  • Die summarische Eingangsanmeldung: Diese muss vor dem Import der Waren in die EU bei der Eingangszollstelle vorgenommen werden und wird durch den Beförderer erledigt.
  • Ankunftsanmeldung: Werden Produkte auf dem See- oder Luftweg transportiert, muss der Transporteur die beförderten Waren bei der Ankunft in der EU (bzw. im Zollgebiet in das importiert wird) bei der Eingangszollstelle anmelden.
  • Die Zahlung der Zollkosten. Diese werden anschließend selbstverständlich an Sie weitergegeben. Nutzen Sie hier zusätzlich einen Warenfinanzierer, können Sie Ihr Zahlungsziel bis zu 90 Tage in die Zukunft verschieben und haben mehr Geld für neue Bestellungen und Investitionen zur Verfügung.

Zum einen sind die angegebenen Meldungen mit Fristen verbunden, die von den bekannten Transportdienstleistern (DHL, UPS etc.) stets eingehalten werden. Zum anderen werden bei der Einfuhr fällige Kosten umgehend vom Transporteur beglichen, somit entsteht keine Verzögerung für Sie.

Damit das Transportunternehmen die benannten Aufgaben übernehmen kann, ist es erforderlich …

  1. …, dass Sie bei der Beauftragung durch den Versender zusätzlich Ihre EORI Nummer sowie die Warenklassifikation angeben, um eine Zollanmeldung einzuleiten.
  2. …, dass Sie Ihrer Ware eine Rechnung und einen Lieferschein beilegen. Diese werden vom Zoll im Zuge einer Überprüfung benötigt. Sie sollten unnötige Verzögerungen durch fehlende Rechnungen vermeiden. Die Ware wird festgehalten, bis die Dokumente nachgereicht wurden, falls diese nicht beiliegen.

So sparen Sie Zeit und vermeiden Sie Verzögerungen in der Zollabwicklung

Der Import stellt Sie vor eine Vielzahl von Aufgaben, die Sie mit etwas Planung effizient meistern können. Wir fassen die wesentlichen Meilensteine zusammen, die Sie einhalten müssen, um reibungslos Waren aus Drittstaaten beziehen zu können:

  • Stellen Sie sicher, dass Sie mindestens drei bis vier Wochen vor Aufnahme Ihrer zollrechtlich relevanten Tätigkeiten Ihre EORI Nummer beantragt haben.
  • Finden Sie zuverlässige Partner, indem Sie beispielsweise auf professionelles Sourcing zurückgreifen und machen Sie Gebrauch von Incoterms.
  • Wählen Sie zuverlässige Versanddienstleister, die Erfahrung mit der Einfuhr von Waren in die Europäische Union und damit verbundenen Pflichten haben.
  • Stellen Sie sicher, dass der versendeten Ware stets ein Lieferschein sowie eine Rechnung beigelegt werden.
  • Stärken Sie Ihre Finanzkraft durch smarte Finanzierungsmöglichkeiten für Ihre Importe

Selbst wenn die Zollabwicklung anfangs abschreckend erscheint, geringe Einkaufspreise und innovative Produkte mit einem Alleinstellungsmerkmal sind den Aufwand häufig wert, den der Import für Händler mit sich bringt. Lassen Sie sich auf das Abenteuer ein und sein Sie von anfänglichen Schwierigkeiten nicht abgeschreckt.

Das Unternehmen Snocks konnte seine Startschwierigkeiten überwinden und geht gestärkt aus der Erfahrung hervor. Heute verkauft das Start-up seine Produkte auch über die Grenzen der EU hinaus und ist somit nicht mehr lediglich im Import-Geschäft zu Hause, sondern ist zu einem von Deutschlands erfolgreichen Exporteuren geworden. Nehmen auch sie die Herausforderung an.

Mehr Kapital für Ihre Importe?

Bis zu 150.000 € Einkaufslinie.

Jetzt starten