Made in China: auch 2019 war das Land aus Fernost wichtigster Produzent und Lieferant weltweit. Allein im November 2019 importierten deutsch Händler Waren im Wert von 95 Milliarden Euro.

Damit es bei solchen Import-Mengen nicht zu Missverständnissen mit dem ausländischen Vertragspartner kommt, gibt es die sogenannten Incoterms – internationale Handelsrichtlinien, die Verbindlichkeiten zwischen Handelspartnern regeln sollen.

In diesem Beitrag erfahren Sie, was Incoterms sind, welche Funktion sie im internationalen Handel haben und was Sie beim Einsatz von Incoterms beachten müssen.

Was regeln die Incoterms?

Wenn Sie Waren aus dem Ausland importieren, ist es notwendig, die Verpflichtungen zwischen allen Vertragspartnern vertraglich festzuhalten. Beispielsweise die Kostenübernahme des Transports oder einer Warenversicherung. Die Klauseln unterstützen Sie dabei zu verhindern zu falsch verstandenen Vereinbarungen oder Streitereien kommt, die im Zweifel gerichtlich geregelt werden müssen. Incoterms sind national und international anerkannte Handelsbedingungen und somit Orientierungen für alle Handelspartner.

Um die Regelungen im komplizierten Importgeschäft zu vereinfachen, hat die Internationale Handelskammer (ICC) 1936 die erste Version der International Commercial Terms, kurz Incoterms, herausgegeben. Diese weltweit anerkannten Klauseln erleichtern das Etablieren von Vertrags- und Lieferbedingungen. Die Incoterms regeln für die Vertragspartner die Kosten und das Transportrisiko bei Verlust oder Beschädigung der Ware fest.

Die Einigung auf die Incoterms ist freiwillig und dient als Unterstützung für Händler und Lieferanten.

Die Hauptfunktion der Incoterms

Beim Versand oder Export einer Lieferung teilen sich beide Vertragsparteien die Verpflichtungen der Wegstrecke des Transports. Dies geschieht durch einen vorab vereinbarten Übergabepunkt. Die Incoterms legen fest, welche Verpflichtungen der jeweilige Vertragspartner auf seinem Teil der Lieferstrecke erfüllen muss. Grundsätzlich ist jedoch der Verkäufer auf dem Lieferweg vor dem vereinbarten Übergabeort für die Waren zuständig und der Käufer auf der restlichen Wegstrecke, nach der erfolgten Übergabe.

Nebenfunktionen der Incoterms

Im Detail regeln die Incoterms konkrete Zuständigkeiten. Sie legen also fest, welcher Vertragspartner sich um …

  • … die Warendokumente, deren Kosten und Zollgebühren
  • … die Transportdokumente und deren Kosten
  • … die Versicherung der Waren und die dadurch entstehenden Kosten
  • … den Informationsfluss über den Status der Lieferung
  • … die Warenprüfung und die dabei entstehenden Kosten
  • … die Verpackung und deren Kosten

kümmert.

Incoterms - globaler Standard seit 1936

Incoterms Glossar: Welche Klauseln gibt es?

Es gibt Incoterm Klauseln, die für jede Art des Transportwegs eingesetzt werden können und solche, die nur für den Seeweg gültig sind. Zudem sind die Klauseln in die Gruppen E (Ex), F (Free), C (Carriage) und D (Delivered) unterteilt, die den jeweiligen Status bei Warenübergabe markieren. Beispielsweise steht E für Ex Works (Ab Werk) und grundlegende Verpflichtungen wie Kosten- und Risikoübernahme für den Käufer oder Verkäufer festlegen.

Die Incoterm-Gruppen und die ihnen angehörenden Klauseln, können Sie dem folgenden Glossar entnehmen:

E-Gruppe (Ex Works)

In der E-Gruppe existiert nur eine Klausel, die die Abholung am Werk regelt:

EXW – Ab Werk (Ex Works)

Diese Abholklausel erklärt, dass der Käufer die Lieferung direkt am Werk abholt. Die Aufgabe des Verkäufers ist es, die Artikel zuvor zu verpacken. Alle weiteren Kosten, Verpflichtungen und Risiken gehen ab dem Moment der Abholung auf den Käufer über.

Achtung: In manchen Ländern dürfen sich nur die Verkäufer um Ausfuhrgenehmigungen kümmern. Durch die EXW-Klausel wird der Export an den Käufer abgetreten, eventuell ist es diesem dann aber gar nicht mehr möglich, die Waren auszuführen. Informieren Sie sich daher genau über alle Formalitäten, bevor Sie sich für die EXW-Klausel entscheiden.

F-Gruppe (Free …)

In allen Klauseln der F-Gruppe trägt der Käufer die Kosten für den Haupttransport. Lediglich bis zur Übergabe an den Frachtführer ist der Verkäufer für die Lieferung verantwortlich, danach geht das Risiko auf den Käufer über.FCA – Frei Frachtführer (Free Carrier)

Die FCA Klausel legt fest, dass der Verkäufer für die Verpackung, die Warenprüfung und die Lieferung an einen vom Käufer bestimmten Übergabeort verantwortlich ist. Ab der Übergabe der Ware an den Hauptfrachtführer gehen alle Verpflichtungen auf den Käufer über.

FAS – Frei Längsseite Schiff (Free Alongside Ship) – nur für den Schiffsverkehr

Der Verkäufer muss die Waren verpacken, prüfen und freimachen. Seine Pflichten sind erfüllt, sobald die Lieferung längsseits des Schiffes im vereinbarten Hafen angekommen ist. Ab diesem Moment ist der Käufer für die restliche Reise zuständig.

FOB – Frei an Bord (Free On Board) – nur für den Schiffsverkehr

Diese Klausel entspricht der vorhergehenden FAS-Klausel, mit dem Unterschied, dass die Lieferung erst erfüllt ist, wenn die Ware an Bord des Schiffes angekommen ist.

C-Gruppe (Carriage … / Cost …)

Bei allen Klauseln dieser Gruppe trägt der Verkäufer den Hauptteil der Transportkosten. Mit der Übergabe der Lieferung gibt er die Verantwortung für die Ware an den Käufer ab.

CPT – Frachtfrei (Carriage Paid To)

Der Verkäufer verpackt die Ware und macht sie zur Ausfuhr frei. Er liefert sie an den Übergabepunkt und trägt bis dorthin alle Kosten, die anfallen: Verpackung, Warenprüfung, Versand, Ausfuhrgebühren.

CIP – Frachtfrei versichert (Carriage and Insurance Paid to)

Die CIP-Klausel entspricht der vorhergehenden CPT-Bestimmung. Zusätzlich schließt der Verkäufer eine Versicherung für den gesamten Transportweg ab.

CFR – Kosten und Fracht (Cost and Freight) – nur für den Schiffsverkehr

Im Rahmen dieser Klausel ist der Verkäufer für die Verpackung sowie die Transportkosten zuständig, bis die Lieferung an Bord des Frachtschiffes eingetroffen ist.

CIF – Kosten, Versicherung und Fracht (Cost Insurance Freight) – nur für den Schiffsverkehr

Diese Bestimmung gleicht der CFR-Klausel. Sie unterscheidet sich lediglich dadurch, dass der Verkäufer dafür zuständig ist, den Warentransport zu versichern.

D-Gruppe (Delivered …)

Die Besonderheit der D-Gruppe besteht darin, dass der Verkäufer sowohl die Kosten als auch das Risiko des Transports übernimmt.

DAP – Geliefert benannter Ort (Delivered At Place)

Der Verkäufer liefert die Bestellung an den Übergabeort und stellt sie dem Käufer dort entlade bereit zur Verfügung. Dabei übernimmt er die Kosten für die Ausfuhr, jedoch nicht für die Einfuhr im Zielland.

Neu in 2020: DPU – Geliefert benannter Ort entladen (Delivered at Place Unloaded)

Auch in dieser Klausel liefert der Verkäufer an den vereinbarten Übergabeort und entlädt sie dort direkt. Die Entladekosten übernimmt der Verkäufer.

DDP – Geliefert verzollt (Delivered Duty Paid)

Die DPD-Klausel verpflichtet den Verkäufer dazu, neben den Transport- auch alle Zollkosten zu übernehmen. Und dies sowohl bei der Ein- als auch bei der Ausfuhr. Er liefert die Waren an den vereinbarten Ort, muss sie jedoch nicht entladen.

Neue Incoterms 2020 Update

Bei den oben angegebenen Incoterm-Regelungen, die ab dem 1. Januar 2020 neu in Kraft getreten sind, gibt es einige Änderungen zu den vorherigen Klauseln aus dem Jahr 2010. Diese sind:

  • Die Klausel DPU (Delivered at Place Unloaded) hat die vorherige Klausel DAT (Delivered at Terminal) ersetzt. Nun kann jeder beliebige Ort zur Lieferung vereinbart werden. Zuvor legte die Klausel fest, dass die Übergabe der Lieferung an einem Terminal am Flughafen oder Hafen stattfinden muss.
  • Käufer und Verkäufer können in Folge der Neuregelungen auch eigene Transportmittel nutzen, um ihren jeweiligen Transportabschnitt zu organisieren. Es ist nicht mehr nötig, ein Drittunternehmen einzuschalten.
  • Die CIF-Klausel verlangt ab 2020 einen höheren Versicherungsschutz, der neben einem Unfall beim Transport nun auch weitere Risiken wie Diebstahl abdeckt.
  • Alle Punkte, die die Sicherheit des Transports betreffen, werden ausdrücklich auf den Verkäufer verlagert. Dies war vorher nicht einheitlich geregelt.
Ärger mit Geschäftspartnern? Incoterms schaffen Klarheit

Incoterms professionell nutzen

Incoterms geben Onlinehändlern die Chance, die Kosten für den Versand und Import zu vergleichen, abzuwägen und zu planen. Fragen Sie neue Geschäftspartner, ausgehend von einer bestimmten Incoterm-Klausel, nach einem Preis für den Export.

s ist sinnvoll sich an Klauseln zu halten, die eine möglichst weite Lieferung seitens des Exporteurs garantieren. So minimieren Sie das Risiko, dass auf Transportwegen, welche Sie  Sie  unerwartete Kosten entstehen.

Die Wahl der passenden Incoterm-Klausel hängt von Ihren persönlichen Wünschen nach einer gewissen Dienstleistung, Sicherheit oder Kostenersparnis sowie Ihrem Verhandlungsgeschick ab. Es ist r lohnenswert, den Exporteur mindestens mit der Ausfuhr der Ware zu beauftragen, da dies für ortsansässige Unternehmen leichter durchzuführen ist.

Zusätzliche Sicherheit durch eine Warenfinanzierung

Das Importieren von Waren kann die Liquidität eines Händlers stark einschränken . Denn nicht nur die anfallenden Kosten für Produkte oder Ein- und Ausfuhrgebühren können zu finanziellen Engpässen führen. Auch die lange Lieferzeit bei Importwaren, die in der Regel einige Wochen, wenn nicht sogar Monate in Anspruch nimmt, trägt ihren Teil dazu bei. Daher lohnt es sich eine Warenfinanzierung in Anspruch zu nehmen, die den Import finanziell absichert, bis die Artikel angekommen und verkauft sind. So bleiben Importeure auch dann finanziell unabhängig, wenn die Einfuhr länger dauert.

Achtung: Incoterms regeln nur den Warenverkehr und haben nichts mit dem eigentlichen Kaufvertrag, dem Produkt oder entsprechenden Garantieleistungen zu tun. Diese Punkte halten Sie separat in einem Vertrag fest. Sobald Sie sich mit Ihrem Geschäftspartner auf eine Incoterm-Klausel geeinigt haben, vermerken Sie diese in Ihrem Vertrag im Abschnitt `Lieferbedingungen.´ Dabei ist es wichtig anzugeben, auf welche Version der Incoterms Sie sich beziehen. Alle Neuerungen passen sich dem Wandel der Handelswelt an. Dennoch behalten auch alte Klauseln ihre Gültigkeit und sollten weiterhin genutzt werden, wenn sich die Zusammenarbeit auf Basis einer bestimmten Klausel bereits seit vielen Jahren bewährt.

Sicher importieren mit Incoterms

Die Incoterms erscheinen auf den ersten Blick möglicherweise verwirrend und wie eine Verklausulierung in Fachchinesisch. Bei genauerer Betrachtung erleichtern sie das Leben jedes Käufers von ausländischen Waren aber enorm. Durch das genaue Bestimmen der Verpflichtungen beider Vertragspartner bleiben Unstimmigkeiten oder zusätzliche Kosten beim Versand oder der Einfuhr aus.

Informieren Sie sich daher genau, welche Incoterm-Klauseln für Ihre Lieferung infrage kommen. Wenden Sie sich beispielsweise an Juristen, die auf das Thema spezialisiert sind oder nehmen sie an Incoterm-Seminaren teil und tragen Sie schon bald noch erfolgreicher zum Importgeschäft Deutschlands bei.

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