Jedes Jahr laufen mehr als zwei Billionen Suchanfragen über die Server von Google. Umgerechnet auf die Weltbevölkerung bedeutet das, dass theoretisch jeder einzelne Mensch an 255 von 365 Kalendertagen die Suchmaschine aus Kalifornien bemüht.

Bei gut der Hälfte dieser Internetsuchen handelt es sich inzwischen um sogenannte Near-Me-Searches. Anfragen also, die sich um all das drehen, was sich in unmittelbarer Umgebung des Suchenden befindet: Geschäfte und Restaurants, Tankstellen und Cafés, Vereine und Clubs.

Noch 2010 war die Online-Suchlandschaft eine völlig andere. Near-Me-Searches gab es vor 10 Jahren kaum; die Suchmaschinen waren nicht intelligent genug zu verstehen, dass ein Nutzer einen Klempner in der Nähe sucht, wenn er ‚Klempner’ googelt.

In der Zwischenzeit allerdings haben die Algorithmen dazugelernt und zahlreiche Unternehmen werden dieser Entwicklung immer noch nicht gerecht. Ein eklatanter Fehler wie Norman Rohr, Head of Marketing des Location-Based-Marketing-Dienstleisters Uberall, meint.

Im Gespräch mit VAI erzählt er, wieso Near-Me-Searches so ausschlaggebend für den Erfolg von Händlern sind und wieso diese Entwicklung sich momentan noch weiter verstärkt. Außerdem verrät er, wie Near-Me-Searches ganz einfach optimiert werden können und welche durchschlagenden Ergebnisse sich damit erzielen lassen.

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Warum Near-Me-Searches so wichtig für den Unternehmenserfolg sind

„Wenn ich irgendwo bin und Google nach einem Café in meiner Nähe frage, nehme ich alle Läden, die nicht in den Ergebnissen gelistet werden, plötzlich nicht mehr wahr“, lautet Normans einleuchtende Erklärung auf die Frage, wieso Händler ohne optimierte Near-Me-Searches schlechte Karten haben.

Denn tatsächlich bestimmen Suchergebnisse, wie wir unsere Umgebung wahrnehmen. Ein Restaurant, das von Google nicht gelistet wird, erscheint wenig einladend; ein Geschäft, das nicht wenigstens in Google Maps auftaucht, wird eher gemieden.

„Wenn nun die Hälfte aller Suchanfragen sich um Händler und Locations in meiner direkten Umgebung drehen, ist leicht abzuschätzen, welchen Einfluss das auf Kundenfrequenz und die Konversionsrate hat“, so der Experte für Location-Based-Marketing.

Tatsächlich vermutet er einen Return on Investment im hohen zweistelligen Bereich für jeden in Near-Me-Searches investierten Euro. Grund genug also, sich näher anzuschauen, wie Normans Unternehmen Uberall arbeitet und Marketing-Strategien optimiert.

Egal wo, Location-Based-Marketing funktioniert

Die drei Säulen des Location-Based-Marketing

„Im Wesentlichen sind es drei Faktoren, die unseren Kunden helfen, mehr Umsatz zu generieren“, erklärt Norman im Interview. „Alle zusammen tragen sie zur perfekten Customer Journey bei.“

Für die optimale Near-Me-Experience zählt vor allem:

1. Ihr Unternehmen muss gefunden werden

„Das Wichtigste ist natürlich, möglichst weit vorne in den Suchergebnissen einer Near-Me-Search aufzutauchen. Manch ein Unternehmen ist allerdings so schlecht aufgestellt, dass es gar nicht gelistet wird und das ist auf lange Sicht tödlich“, erklärt Norman.

Aber wie wird Google überhaupt auf ein Geschäft aufmerksam?


Google My Business kommt an erster Stelle
„Entscheidend ist, dass zunächst die Basics bedient werden. Für die meisten Unternehmen bedeutet das, einen aussagekräftigen Eintrag auf Google My Business zu erstellen“, so der Marketingprofi weiter.

Dazu gehören neben grundlegenden Informationen wie einem kurzen Unternehmensprofil inklusive Angebot und Öffnungszeiten auch Fotos oder ein kurzes Video.

„Sinnvoll ist häufig auch ein kleiner FAQ“, verrät Norman. Die meisten Geschäftsinhaber kennen die typischen Fragen ihrer Kundschaft; daher ist es hilfreich, diese ohne große Umwege direkt zu beantworten.

Denn Google ist in den letzten Jahren wesentlich intelligenter geworden. Listete die Suche nach „Autowerkstatt“ vor einiger Zeit schlicht die Seiten mit der besten SEO-Optimierung auf, geht die Suchmaschine heute davon aus, dass hinter der Anfrage eine gewisse Absicht steckt: Mein Wagen ist kaputt, ich brauche einen Mechaniker in meiner Nähe.

Dementsprechend anders sehen heute die Ergebnis-Listen einer Google-Anfrage aus und machen einen attraktiven My Business-Eintrag so wichtig.


SEO bleibt entscheidend
„Die Suchmaschinenoptimierung darf dennoch nicht unterschätzt werden. Viele Unternehmen vernachlässigen hier die Sorgfalt und verlieren so zahlreiche potenzielle Kunden“, erklärt Norman.

Denn nicht umsonst gibt es Agenturen, die sich mit nichts anderem als SEO beschäftigen und auch Uberall legt großen Wert darauf, es Suchmaschinen möglichst einfach zu machen.

SEO Potenziale heben

Norman empfiehlt neben der Verwendung von Synonymen auch die Mehrsprachigkeit nicht zu ignorieren. „Ich habe auf der Kölner Domplatte einmal nach ‚Kaffee‘ und dann nach ‚Coffee‘ gegoogelt und völlig unterschiedlich Ergebnisse bekommen“, erzählt er.

Weiterhin sei es für das perfekte Suchergebnis entscheidend, das komplette eigene Angebot zu bedenken, so Norman. „Zu unseren größten Kunden gehört BP. Dort gibt es nicht nur Benzin, sondern auch Getränke, Lebensmittel oder frische Backwaren. All diese Begriffe haben wir in unserer Strategie berücksichtigt, um jede mögliche Suchanfrage zu bedienen.“


Das Optimum ist die Aufstellung in der Breite
Zuletzt empfiehlt der Marketing-Experte, an möglichst vielen Stellen im Internet präsent zu sein. Denn erst so lassen sich viele potenzielle Kunden erreichen. Je mehr Plattformen Sie also bespielen, desto besser.

„Unternehmen dürfen sich nicht nur auf Google und Facebook beschränken.“

Um die Reichweite zu maximieren, werden bei Uberall daher alle Register gezogen. Von den großen Social Media Locations bis hin zu Klassikern wie den Gelben Seiten deckt das Unternehmen jede nur erdenkliche Informationsquelle im Web ab.

2. Bewertungen sammeln und kommentieren

Gefunden zu werden ist allerdings nur ein Teil des Erfolgsrezeptes. Der zweite entscheidende Faktor für die optimale Near-Me-Experience sind Nutzerbewertungen und der Umgang mit ihnen.

„Wenn Google mir Restaurants in meiner Nähe anzeigt, fällt mein Blick zunächst auf die Bewertungs-Sterne“, erklärt Norman. Leuchten dabei weniger als vier auf, ist ein Unternehmen für die meisten Surfer schon aus dem Rennen.

„Schlechte Bewertungen sollten immer als Chance wahrgenommen werden.“

Positive Bewertungen dagegen können sich als wahrer Kundenmagnet erweisen – wichtig ist es daher, zum einen möglichst viel gute Kritik einzufahren, zum anderen, auf negative Bewertungen angemessen zu reagieren.

„Schlechte Bewertungen sollten immer als Chance wahrgenommen werden“, verrät Norman, denn tatsächlich versteckt sich dahinter das Potenzial, langfristig für mehr Kundschaft zu sorgen.

Wichtig sei vor allem, auf Kritik immer direkt und persönlich zu reagieren und das Gespräch zu suchen, so der Marketing-Stratege. Denn gelingt es, außerhalb eines Bewertungsportals – via Chat, Mail oder Telefon – mit einem unzufriedenen Kunden in Kontakt zu treten und den Grund für seine Klage aus der Welt zu schaffen, lässt er sich häufig doch noch zu einer positiven Kritik hinreißen. Oder er geht sogar noch einen Schritt weiter und lobt Einsatz und Kundenservice des Unternehmens.

Zuletzt haben Bewertungen mittlerweile auch direkten Einfluss auf das eigene Suchergebnis. Denn Google durchforstet bei Anfragen nicht mehr nur die firmeneigene Homepage, sondern auch die Kritiken, die Besucher hinterlassen haben.

Schreibt der Gast eines Hotels in seiner Bewertung, dass er vollkommen angetan von der Saunalandschaft war und ist der nächste Surfer auf der Suche nach einer Herberge mit ansprechender Sauna, stehen die Chancen gut, weit oben in den Ergebnissen aufzutauchen.

3. Customer Experience rundet Near-Me ab

Der letzte Baustein für die perfekte Near-Me-Erfahrung ist laut Norman die Customer Experience: „Zwar stimmt es, dass der Onlinehandel zunehmend an Bedeutung gewinnt, allerdings laufen 90 Prozent aller Transaktionen weiterhin über stationäre Geschäfte. Zu beachten ist aber auch, dass Kunden inzwischen andere Erwartungen an ein Unternehmen haben: ob on- oder offline für sie steht die Customer Experience immer mehr im Vordergrund.“

Für ein Unternehmen bedeutet das Service, Service und nochmals Service. Es beginnt bereits online mit kleinen Details, wie einem Hinweis auf der Homepage, der Auskunft darüber gibt, ob ein bestimmtes Produkt verfügbar ist oder nicht.

Die Serviceorientierung setzt sich fort über Kommunikationswege wie die Erreichbarkeit eines Unternehmens zum Beispiel auch per Messenger. Und endet im Laden selbst, wo der Einkauf keine lästige Pflicht, sondern ein echtes Erlebnis sein sollte.

Ohne dienstleistungsorientiertes Denken und jede Menge Fingerspitzengefühl im Umgang mit der eigenen Kundschaft geht heute nichts mehr. Denn hier schließt sich der Kreis wie eine Feedbackschleife: Zufriedene Kunden hinterlassen positive Bewertungen, welche ein Unternehmen in den Suchergebnissen besser positionieren, was wiederum dafür sorgt, dass es im Web auch wirklich gefunden wird.

Aus aktuellem Anlass: Near-Me-Marketing im Zeichen des Virus

Location-Based-Marketing ist also bereits in normalen Zeiten ein entscheidender Beitrag für den Erfolg Ihres Unternehmens. Allerdings ist die Weltlage momentan alles andere als normal. An niemandem ist das Corona-Virus unbemerkt vorbeigegangen – am wenigsten wohl am stationären Handel.

Gutes Near-Me-Marketing allerdings ist laut Norman in der Lage, den schlimmsten Auswirkungen der Krise entgegenzuwirken. Konkret nennt er dazu drei Beispiele:

1. Near-Me kontra Consumer Confusion

Auf dem Hochpunkt der Pandemie herrschte bei vielen Konsumenten große Verwirrung: Hat ein Geschäft überhaupt geöffnet? Und wenn ja, wann genau? Und darf ich da einfach eintreten oder brauche ich einen Termin?

Inzwischen mag sich die Lage etwas entspannt haben, wie der Fall Gütersloh jüngst allerdings zeigte, kann der Wind sich ebenso schnell wieder drehen. Händler mit einer durchdachten Near-Me-Kampagne haben in jedem Fall die Nase vorne.

So gestaltete Uberall den Onlineauftritt seiner Kunden rechtzeitig zu Beginn der Kontaktsperren zielführend um: Hinweise zu geänderten Öffnungszeiten wurden auffällig platziert, etwaige Einschränkungen beim Besuch klar kommuniziert. So stand niemand unerwartet vor verschlossenen Türen und kehrte als frustrierter Kunde wieder heim.

2. Den neuen Anforderungen gerecht werden

Auch Unternehmen, die ihre Pforten dauerhaft geschlossen halten mussten, kam zielgerichtetes Near-Me-Marketing während der Krise zugute. Die Nachrichten berichteten darüber und die Suchanfragen bestätigen es, zahlreiche Menschen wollten gerne weiter bei ihren Händlern vor Ort einkaufen und lokale Geschäftsleute nicht im Regen stehen lassen.

Für viele Unternehmen bedeutet Near-Me den Unterschied zwischen Überleben und Konkurs.

Für diese Partner bestanden die von Uberall getroffenen Maßnahmen vor allem im Umbau des Onlineauftrittes der Unternehmen. Besucher der Homepage wurden direkt weitergeleitet in den Webshop eines Händlers oder zu digitalen Bestellaufnahme eines Restaurants.

3. Local Marketing als Unterstützung bei Neueröffnungen

Allein, weil die Situation sich langsam wieder stabilisiert, sind die Probleme für zahlreiche Händler noch nicht ausgestanden. Viele Geschäfte klagen weiterhin über ausbleibende Kunden und geringere Umsatzzahlen. Die Menschen befinden sich weiterhin im Krisenmodus.

Um die Besucherzahlen wieder nach oben zu treiben, empfiehlt Norman begleitend zur übrigen Near-Me-Kampagne die Schaltung von Local-Ads auf ausgewählten Channels. Diese hätten das Potenzial, die Reichweite eines Standortprofils bei Near-Me-Suchen auf Google, Facebook oder Instagram deutlich zu erhöhen.

Mit Local-Ads wird die Neueröffnung zum Erfolg

So könnten Kundenströme gezielt in den eigenen Laden gelenkt und die Umsätze deutlich stabilisiert werden. „So lange die Akquise-Auswirkungen noch zu spüren sind, ist die Schaltung von Local-Ads der beste Tipp, den ich Händlern geben kann“, so der Marketing-Experte.

Near-Me-Marketing ist eine gewaltige Chance – lassen Sie sie nicht brachliegen

Gerade in der momentanen Situation bietet eine erfolgreiche umgesetzte Near-Me-Strategie also beste Aussichten auf einen langfristigen Unternehmenserfolg und zuverlässige Kundenbindung – sofern sie konsequent umgesetzt wird.

Denn genau hier lauert laut Experte Norman die größte Gefahr: „KMUs versuchen, Near-Me selbst in die Hand zu nehmen und häufig fehlt dann Zeit und Energie um wirklich 100 Prozent zu geben. Große Unternehmen dagegen haben zwar die Manpower, priorisieren Near-Me allerdings selten, weil sie die positiven Auswirkungen unterschätzen.“

Dabei ist eine Begleitung durch Profis wie Uberall bereits für kleines Geld zu haben. Kleine Unternehmen kostet eine Near-Me-Kampagne nicht mehr als 50 Euro im Monat, so Norman.

Mit solchen Experten an Ihrer Seite ist es dann nur noch eine Frage der Zeit, bis sich der Erfolg einstellt und auch Ihr Unternehmen ganz oben in einer der eingangs erwähnten einer Billiarde Location basierten Suchanfragen rangiert.

Tipp: Das ganze Gespräch mit Uberalls Head of Marketing Norman Rohr finden Sie in unserem VAI Podcast zum Anhören.