Die Anfänge des E-Commerce waren holprig. Zwar konnte man ab Ende der 80er-Jahre bereits durch das Produktangebot vieler Unternehmen browsen, die Bezahlung war jedoch noch ein Abenteuer. Die breite Akzeptanz in der Bevölkerung fehlte. Der Siegeszug begann erst, als der Zahlungsprozess online sicher abgewickelt werden konnte.

Als Ebay im Jahre 2004 den Paypal Bezahlen-Button eingeführt hat, gelang auch in Deutschland der Durchbruch für sicheres Online Shopping. Die Geschichte des E-Commerce geht allerdings aus heutiger Sicht fast 50 Jahre zurück.

So wurde laut Angaben des Guardian bereits im Jahre 1971 oder 1972 eine Transaktion für Marihuana zwischen Studenten zweier US Universitäten online abgewickelt und wird seither als erste Online-Transaktion der Geschichte gewertet.

Legal wurde es erst im Jahre 1994. Die New York Times titelte damals: „Das Internet ist offen“. Die Zeitung beschrieb dabei detailliert die erste, legale Transaktion, bei der der Kauf und die Bezahlung mit Visa-Karte vollständig online abgewickelt wurden.

Sogenannte „Cyberspace Entrepreneurs“ feierten laut New York Times den ersten Onlineverkauf einer Sting-CD aus dem Jahre 1993 für 12,48 US-Dollar inklusive Versandkosten. Die E-Commerce-Ära war geboren.

Seit dieser Geburtsstunde hat sich viel getan und gerade im Bereich der Online-Zahlungsarten und der Payment Service Provider ist derzeit viel Bewegung.

Auch Henning Brand, der Leiter der Kommunikation bei Computop, einem fränkischen Anbieter für Payment Solutions, weiß im Podcast KALKULATUR mit VAI zu berichten:

Der Markt ist sehr verrückt und sehr schnell gewachsen“.
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Lesen Sie in den folgenden Kapiteln worauf E-Commerce Unternehmer bei der Zahlungsabwicklung achten sollten, welche Zahlungsarten gefragt sind und wie Sie mit dem richtigen Angebot an Zahloptionen den Umsatz steigern können. Erfahren Sie außerdem, warum jeder Händler das Datum 16.10.2020 im Kalender markieren sollte.

Welche Zahlungsarten gibt es im Internet?

Henning Brand von Computop benennt als häufigsten Fehler von Shop Betreibern, dass sie die Wichtigkeit der Zahlungsabwicklung unterschätzen. Viele Unternehmer glauben, dass nach der Einbindung von Visa, Mastercard, AMEX und Diners Club das Thema Bezahlung erledigt sei.

Doch nicht selten macht eine enttäuschende Conversionrate deutlich, dass es mit diesen vier Zahlarten nicht getan ist. Kunden springen im letzten Moment vom Kauf ab, wenn sie nicht auf dem gewohnten Weg zahlen können und sind im schlimmsten Fall für immer verloren.

Welche Formen der Bezahlung Sie als Onlinehändler anbieten sollten, hängt von vielen Faktoren ab. Nicht nur hat jedes Land seine eigenen Vorlieben, auch hängt der Einsatz einzelner Bezahlmethoden von den Produkten, dem Zahlbetrag und sogar vom Geschlecht ab. So zahlen deutsche Männer eine Urlaubsreise im Internet bevorzugt mit der Kreditkarte, während Frauen den Kauf auf Rechnung vorziehen.

Die eine oder andere Internet Zahlungsart nicht anzubieten, könnte Ihnen also einen erheblichen Umsatzausfall bescheren.

Überblick zu den großen nationalen Zahlungsarten

Eine Umfrage von myMarktforschung.de zeigt, dass sich Paypal, Rechnungskauf, Lastschrift und Kreditkarten nahezu den gesamten Markt in Deutschland aufteilen. Dabei werden das Lastschriftverfahren und Kreditkartenabrechnungen jeweils von einer ganzen Reihe von Anbietern wie zum Beispiel Ayden, Akcepto oder braintree angeboten. Gleiches gilt für den Kauf auf Rechnung, den Onlinehändler zum Beispiel mit Klarna oder Heidelpay abwickeln können.

Während sich Paypal eher für kleinere Zahlbeträge eignet, bietet der Ratenkauf die höchsten Umsatzchancen mit mehr als dem Vierfachen eines durchschnittlichen Einkaufs per Nachnahme, Sofortüberweisung oder Paypal.
Für einen Anbieter von teuren Grafikkarten ist also in Deutschland das Angebot von Zahlung auf Rechnung ein Muss. Aber auch für Verkäufer günstigerer Produkte kann das Angebot dieser Kaufoption bedeuten, dass Kunden ihren Warenkorb praller füllen.

Im Folgenden ein Überblick über die Online-Zahlungsarten, die sie unbedingt anbieten sollten, um zu vermeiden, dass Interessenten am Ende des Kaufs abspringen und Ihnen Umsätze entgehen:

  • Paypal
  • Rechnungskauf
  • Lastschrift
  • Vorkasse
  • Nachname
  • Sofortüberweisung
  • Kreditkarten

Zudem gibt es in Deutschland Zahlungsarten wie PayDirekt, eine Anbindung von Girokonten der führenden Banken, die nur einen geringen Marktanteil, aber eine treue Kundenbasis haben. Wer das gesamte Umsatzpotential des Warenkorbes abschöpfen will, der sollte auch seltene Zahlungsarten wie diese berücksichtigen.

Henning Brand von Computop weist darauf hin, dass es insbesondere wichtig ist, sich mit Zahlungsarten zu beschäftigen, die für Händler eher unattraktiv, für Käufer jedoch umso attraktiver sind. Dazu gehören beispielsweise der Kauf auf Rechnung.

Kleineren Händlern wird es kaum möglich sein, diese Form der Bezahlung selbst abzuwickeln, das bedeutet, die Rechnungen im eigenen Unternehmen entgegenzunehmen und zu bearbeiten. Dies liegt daran, dass das Risiko, Verluste aufgrund unbezahlter Rechnungen hinnehmen zu müssen zu groß ist, wenn kein Anbieter zwischengeschaltet wird, der sich drum kümmert, dass Kunden zahlen.

Hier gibt es spezielle Anbieter wie Klarna, die die Abwicklung des Rechnungs- oder Ratenkaufs und sogar das Ausfallrisiko übernehmen. Damit kann der Händler seinen Kunden eine komfortable und sichere Zahlung anbieten und geht selbst kein Risiko ein.

Internationale Zahlungsarten, die Onlinehändler anbieten sollten

Auch wenn bereits in Deutschland die Abwicklung der Bezahlung des Warenkorbes kompliziert erscheint, sollte Sie das nicht davon abhalten, international zu expandieren. Mit dem richtigen Zahlungsprovider erschließen Sie ein gewaltiges Potenzial und in der Tat wird es international eher einfacher als komplizierter.

Aufgrund der Tradition alter Versandhäuser ist die Rücksende-Rate in Deutschland, mit über 50 Prozent besonders hoch. Auch sind die Deutschen extrem konservativ beim Einsatz von Kreditkarten und nutzen mit der EC oder Girocard ein weitverbreitetes Bezahlsystem, für das es (noch) keine Online-Anbindung gibt (Apple hat die Einbindung von Maestro Karten in Apple Pay angekündigt). Zudem ist in der Bundesrepublik die Bereitschaft, im Ausland zu kaufen im Vergleich zu anderen europäischen Ländern extrem niedrig.

Es lohnt sich also, über die Landesgrenzen hinweg zu schauen. Beispielsweise in Japan gehören Rücksendungen nicht zur Shopping-Kultur und gemäß den Marktforschern von IMRG werden die höchsten Online-Umsätze von 70+-jährigen getätigt. In Deutschland undenkbar.

Allerdings müssen Onlinehändler sich darauf einstellen, dass sich die Länder in ihren online angebotenen Zahlungsarten unterscheiden:

Schauen wir rüber zu unserem Nachbarn Belgien. Dort werden 25 Prozent aller Einkäufe im Ausland getätigt. Das ist sicherlich gut für uns in Deutschland, allerdings ist die bevorzugte Bezahlmethode unserer westlichen Nachbarn Bancontact. Dieses Bezahlsystem bietet die Vorteile einer EC Karte, kann zudem aber online eingesetzt werden wie eine Kreditkarte.

Lassen wir unseren Blick nach Asien schweifen, dann werden Sie um Alipay und WeChat Pay nicht herumkommen. Diese beiden Bezahlsysteme sind besonders in China sehr verbreitet. In anderen Ländern wie Thailand oder den Philippinen werden Sie auf eine Bezahlung über 7-Eleven Supermärkte nicht verzichten können.

Auf der anderen Seite des Atlantiks in den USA und Kanada sind neben Kreditkarten auch zunehmend Apple Pay, Google Pay oder Samsung Pay auf dem Vormarsch.

Henning Brandt erklärt darüber hinaus wie Smartphone basierte Zahlungssysteme den Markt erschüttern. Während die Veränderung hin zur Bezahlung über das Gerät in der Hosentasche in China durch AliPay bereits weit fortgeschritten ist, beginnt die Umwälzung in anderen Ländern erst Schritt für Schritt.

Besonders Apple geht durch die Kooperation mit J.P. Morgan einen Weg, der zum kompletten Umdenken im traditionellen Bankwesen führen könnte. Die Bank, die Kreditkarte und das Smartphone verschmelzen durch Apple Pay zu einer bisher noch nicht gekannten Komplettlösung.

Wenn Sie Anbieter von Produkten sind, die sich einer hohen internationalen Nachfrage erfreuen, dann dürfte spätestens jetzt klar sein, dass es fast unmöglich ist, als Shopbetreiber selbstständig hunderte von Payment Solutions einzeln einzubinden und zu pflegen. Dafür muss eine Lösung her.

Was sind Payment Service Provider (PSP) und warum sind sie für Onlinehändler nützlich?

Natürlich können Sie mit Anbietern der oben genannten Zahlungssysteme direkt Kontakt aufnehmen, einzeln Verträge abschließen und anschließend manuell den Bezahlen-Button für die entsprechende Zahlungsart in Ihren Shop integrieren.

Payment Solutions: Kartenzahlung ist nur die halbe Miete

Wenn Sie nur in Deutschland aktiv sind und 5–10 Bezahlverfahren anbieten, dann ist dies mit einigem zeitlichen Aufwand sicher zu bewältigen. Sobald Sie jedoch mehr Zahlungskomfort für Ihre deutschen Kunden anbieten und gleichzeitig international tätig werden möchten, kommen Sie um einen guten Payment Service Provider oder kurz PSP nicht herum.

Ein PSP ist die Schnittstelle zwischen Ihrem Shop und häufig mehreren Hundert Bezahlverfahren in der ganzen Welt. Der PSP übernimmt alle vertraglichen Abstimmungen und die Integration der Zahlungsarten, sodass Sie meistens nur ein Modul des Providers in Ihren Shop integrieren müssen. In vielen Fällen ist die Anbindung nach der obligatorischen KYC Prozedur (Know Your Customer – Überprüfung Ihrer Unternehmensdaten) innerhalb von ein paar Stunden erledigt.

Das Angebot an etablierten und neuen PSPs ist nicht nur auf dem deutschen Markt stark in Bewegung und macht die Auswahl nicht immer einfach. Häufig gehen die umworbenen Services weit über die reine Abwicklung von Zahlungen hinaus. So bieten einige Anbieter auch Finanzierungsservices oder besondere Integrationen in ERP-Systeme an.

Wie wählt man den richtigen Payment Service Provider (PSP)?

Die Auswahl eines geeigneten PSP hängt vor allem von den typischen Geschäftsabläufen in Ihrem Unternehmen ab. Wenn Sie zum Beispiel als kleines Unternehmen über Shopify oder WooCommerce Computer Zubehör verkaufen, dann ist Ihre Zahlungsabwicklung in der Regel nicht besonders kompliziert und kann zum Beispiel mit einem Anbieter wie Stripe erledigt werden.

Wenn Sie neben Ihrem Onlineshop zusätzlich ein Ladengeschäft betreiben, dann bietet sich der deutsche Anbieter Heidelpay an. Obwohl Stripe auch für Kassensysteme einsetzbar ist, kann der nationale Partner, der zudem auch den Kauf auf Rechnung oder Ratenkäufe anbietet, von großem Vorteil sein.

Wenn Sie einen PSP in Europa suchen, der international gut aufgestellt ist, dann sollten Sie auch das niederländische Unternehmen Adyen einer Prüfung unterziehen. Ein Probeaccount ist kostenfrei.

Sind die Geschäftsabläufe in Ihrem Unternehmen jedoch komplizierter, dann kommen Sie selbst mit den leistungsfähigsten Lösungen von der Stange nicht weiter. Komplexe Abrechnungsverfahren, Nachberechnungen und Rückerstattungen, die bei einer Autovermietung anfallen, bedürfen eines spezialisierten Zahlungsproviders.

Große Unternehmen und komplizierte Geschäftsprozesse sind das Spezialgebiet von Unternehmen wie Computop. Von Bamberg aus betreuen Henning und sein Team zum Beispiel den Autovermieter Sixt oder den Modekonzern C&A. Immer, wenn die Integration verschiedenster Verkaufskanäle und die Einbindung großer ERP Systeme gefordert sind, können die Franken mit über 20 Jahren Erfahrung aufwarten.

Bedeutung des Payment Service Providers für die Conversion Rate

Es mag auf den ersten Blick als Overkill erscheinen, allein Ihren deutschen Kunden über 20 verschiedene Bezahlmethoden anzubieten. In vielen Fällen wird es sich aber in Form einer besseren Conversion und höherer Umsätze auszahlen.

MyMarktforschung.de zeigt, dass die durchschnittliche Umsatzhöhe der Warenkörbe von der Bezahlmethode abhängt. Während Paypal das Schlusslicht darstellt, ist der durchschnittliche Warenkorb für Ratenkauf über 400 Euro groß. Zudem haben Sie die letzte Hürde für Ihren Verkauf genommen, wenn ein glücklicher Kunde sogar die von ihm bevorzugte, exotische Zahlungsmethode Giropay nutzen kann.

Die Auswahl eines möglichst leistungsfähigen PSP wird sich somit direkt in Ihrem Umsatz niederschlagen. Besonders, wenn Sie den Verkauf in das Ausland planen, werden Sie für eine optimale Conversionrate nicht um einen leistungsfähigen Partner für die Zahlungsabwicklung herumkommen.

Was sich ab 01.01.2021 durch 3D Secure 2 für Onlinehändler ändert

3D Secure 2 ist ein zusätzlicher Sicherheits-Layer, der im Hintergrund einer Kredit- oder Debitkartentransaktion die Sicherheit für alle an der Transaktion beteiligten Parteien sicherstellt. Nach dem sehr holprigen Start der ersten Version folgt jetzt die stark überarbeitete zweite Version. Besonders das Komforterlebnis durch 3D Secure 2 soll den Online-Verkäufern deutlich bessere Conversion Rates bescheren.

Für die meisten Händler sollte sich mit der offiziellen Einführung von 3D Secure 2 (3DS2) vor allem die Sicherheit der Zahlungsabwicklung verbessern. Gleichzeitig wird erwartet, dass die Abwicklung der Zahlung für den Kunden so komfortabel wird, dass sich die Conversionrate für Shopbetreiber deutlich steigert.

3DS2 sieht vor, dass ein größerer Datensatz zwecks Authentifizierung des Kunden und zur Risikoanalyse der Transaktion übermittelt werden. Es wird erwartet, dass rund 95 Prozent aller Transaktionen ohne weitere Eingaben des Benutzers freigegeben werden. Gleichzeitig wird durch die Anwendung des Verfahrens das Risiko der Transaktion auf den Herausgeber der Kreditkarte verlagert.

Unternehmen mit eigenen ERP Systemen, müssen mit Ihrem PSP die Implementierung von 3D Secure 2 bis zum 15.10.2020 sicherstellen. Denn 3D Secure 2 ist ab 1.1.2021 obligatorisch für jede Online-Transaktion innerhalb der EU.

Viele Anbieter wie Shopify oder Stripe sind natürlich bereits auf die Änderungen eingestellt. Die Händler müssen sich nicht um die Details kümmern, sondern höchstens darum, dass geforderte Daten zur Verfügung stehen.

Payment Service Provider – Qual der Wahl?

Der Markt der PSPs ist derzeit stark in Bewegung. Ständig kommen neue Anbieter hinzu, andere geraten im wachsenden Wettbewerb unter die Räder oder werden aufgekauft. Diese Bewegung sollte Sie jedoch nicht verunsichern, zeigt Sie doch nur, wie viel Innovationskraft den Markt aktuell vorantreibt.

Henning Brandt rät kleinen und mittelständischen Unternehmen sich mit einem der Standard-Produkte fit für die Zukunft zu machen. Sie unterscheiden sich in der Zahlungsabwicklung häufig kaum. Unterschiede bestehen bei den Zusatzleistungen, wie zum Beispiel eigenen Finanzierungsangeboten.

Wenn Sie noch ganz am Anfang stehen, dann geht häufig Probieren über Studieren. In einfachen Shops kann der PSP unproblematisch ausgetauscht werden, wenn Sie andere Services testen möchten.

Große Unternehmen mit komplexen Shopsystemen, In-App Käufen und Ladengeschäften mit POS Systemen, die ein hochintegriertes Omni-Channel Angebot von Ihrem PSP erwarten, sollten hingegen einen Anbieter wählen, der über die erforderliche Beratungskompetenz verfügt und auch ausgefallene Schnittstellen entwickelt.

Einfache Lösungen von der Stange sind für diese Unternehmen meistens keine Option. Hier bieten sich Experten im deutschen Markt an, die häufig über jahrzehntelange Erfahrung verfügen und sich auf Schnittstellen-Entwicklung spezialisiert haben.

Mit ihrer Expertise wird die Einbindung der Zahlungsarten und Berücksichtigung von 3DS2 dann auch für komplexe Geschäftsabläufe und ERP-Systeme möglich. Seit der ersten Online Bezahlung für eine CD hat sich hier viel getan.

Und wer hätte in den 90er-Jahren geglaubt, dass aus dem Verkauf einer Sting-CD einmal die Industrie der Payment Service Provider hervorgehen würde. Eine Industrie, die in den kommenden Jahren noch häufig Veränderungen für unser Einkaufserlebnis bringen wird.

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