1.289 Millionen Euro Umsatz wurden im Jahr 2019 mit Herrenunterwäsche erzielt und die Tendenz ist steigend. Doch Unterwäsche oder gar Socken sind in der Regel nicht das erste Produkt, dass uns in den Sinn kommt, wenn wir an erfolgreiche Onlineshops denken. Und dennoch kann auch mit solch alltäglichen Artikeln, ein erfolgreiches Onlinebusiness aufgebaut werden. Das haben die jungen Unternehmer von SNOCKS aus Baden-Württemberg eindrucksvoll bewiesen.

SNOCKS erzielte zunächst einen Großteil seines Umsatzes über den Marktplatz Amazon, indem sie Sneaker-Socken vor allem in Deutschland verkauften. Mittlerweile betreibt die Firma erfolgreich einen eigenen Shopify-Shop und macht sich unabhängiger von dem Marktriesen.

Wie SNOCKS nach einem holprigen Start mit vielen finanziellen Engpässen zu einer erfolgreichen Marke wurde, hat Felix Bauer, Mitgründer des Unternehmens in unserem Podcast KALKULATOR erzählt. Außerdem verrät uns der Unternehmer, wie seine Firma mithilfe eines professionellen Cashflow-Managements inzwischen einen Millionenumsatz verzeichnet.

Von der Idee zum Business: Auf Sneaker-Socken zum Erfolg

„Für den Erfolg als Onlinehändler ist die Konzentration auf den optimalen Cashflow entscheidend. Denn wer wachsen will, muss Wachstum finanzieren können.“ antwortet Felix auf die Frage nach einem unschlagbaren Tipp für Onlinehändler.

Wenn es um den Aufbau eines Onlinehandels geht, weiß Felix wovon er spricht. Denn zusammen mit seinem Cousin Johannes Kliesch hat er das Sneaker-Socken-Label im Jahr 2016 gegründet. Neben den Invisible Socks hat das Duo inzwischen weitere Produkte wie Unterhemden für Herren im Programm und vertreibt seine Ware auch ins europäische Ausland.

In den Anfangsjahren mussten die Cousins viel Lehrgeld bezahlen und Erfahrungen sammeln. Das Geschäft lief das für Felix und Johannes bei Weitem nicht so erfolgreich wie heute. Wie wichtig ausreichend Arbeitskapital für Onlinehändler ist, mussten die beiden Gründer gleich mehrfach erfahren.

Denn genau genommen fing SNOCKS bereits mit einem Tiefpunkt an: Die beiden Cousins wollten sich neben dem Studium etwas dazuverdienen. Als sie keine geeigneten Socken für ihre Sneaker fanden, war ihre Geschäftsidee geboren. Sie beschlossen, die Socken selbst bei Amazon anzubieten. Kurz nach der Idee bestellten sie die ersten 2000 Paar in China – zunächst noch ganz ohne Firmengründung.

Vier Wochen Zoll – der erste Dämpfer

Als die Bestellung beim Zoll in Frankfurt ankam, fuhr Felix mit seinem Polo zum Flughafen. „Ich konnte die Sneaker-Socken aber nicht abholen, da wir noch keine EORI-Nummer vorweisen konnten. Diese Nummer benötigt jeder, der Waren aus China einführen möchte“, erzählt er.

Die Socken blieben also erst einmal vier Wochen beim Zoll liegen. Dafür wurde verhängte der  Zoll eine Strafgebühr, was die in der Zwischenzeit gegründete Firma, finanziell zurückwarf.

Lektion 1: Vor einer Bestellung im Ausland sollte man sich über die Zollauflagen informieren und gegebenenfalls entsprechende Behörden kontaktieren.

Der glänzende Start mit Amazon

Im August 2016 startete das Unternehmen dann endlich durch: Die Invisible SNOCKS – ein Sommerprodukt – verkauften sich bei Amazon blendend. Felix und Johannes erzielten bereits im zweiten Monat einen Umsatz von 10.000 Euro. Das Feuer der Geschäftswelt war in ihnen entbrannt.

Doch die nächste Hürde wartete schon, denn nach diesen ersten Verkäufen fehlte den Gründern Kapital für die Bestellung weiterer Waren. Die erste Sockenlieferung war zwar verkauft, doch bis zur Auszahlung durch die Verkaufsplattform, sollte es noch eine Weile dauern.

Lektion 2: Rechtzeitig für einen finanziellen Puffer sorgen.
Snocks Sneaker-Socken Listing auf Amazon

Der Winter friert das Geschäft ein

Die nächste Ernüchterung ließ nicht lange auf sich warten: Draußen wurde es kälter und die Kunden kauften keine Sneaker-Socken mehr. „Für die Finanzierung eines wintertauglichen Produkts fehlte uns das Geld, sodass Johannes und ich Nebenjobs angenommen haben“, gesteht Felix.

Nachdem ihr zweites Produkt – eine höher geschnittene Retro-Socke – floppte, entschieden sie sich schließlich einen Kredit aufzunehmen. Die Bank gewährte ihnen ein Darlehen in Höhe von 50.000 Euro, dessen Bewilligung fast drei Monate dauerte. Der Verkauf lag brach, da schlicht und einfach keine Waren vorrätig waren, die sie verkaufen konnten. Wieder erfuhren Felix und Johannes erhebliche Einschränkungen in der Umsetzung ihres Geschäfts.

Clevere Ideen für einen besseren Cash Flow

Als die ausstehenden Zahlungen und der Kredit endlich bei SNOCKS eingingen, entwickelten die Geschäftsführer ein weiteres Produkt, eine Ankle-Socke, und die Firma erfuhr mit dem neuen Warenbestand einen rasanten Wachstumsschub. Doch bereits nach 12 Monaten war das geliehene Kapital aufgebraucht und wieder konnten neue Waren nicht bestellt werden. „An diesem Punkt entschlossen wir uns, aktiv nach Wegen zur Verbesserung des Cashflows zu suchen“, sagt der Gründer entschieden.

Lektion 3: Eine Bank ist kein Garant für Liquidität.

Der erste Schritt zur Liquiditätsverbesserung bestand darin, dass Felix persönlich nach China reiste, um mit den Lieferanten bessere Zahlungsbedingungen auszuhandeln. Der Gründer erreichte mit persönlichen Gesprächen, dass SNOCKS nicht mehr die für Händler üblichen 30 Prozent Anzahlung leisten musste, sondern Rechnungen erst nach der Warenlieferung begleichen konnte. Damit hatten die Startupper mehr Kapital zur Verfügung, um die nächste Bestellung zu finanzieren. Es war ein ein Wendepunkt für das junge Unternehmen.

„Um die hohen Marketingausgaben zu finanzieren, die durch Werbung anfielen, die wir bei Amazon schalteten, schlossen wir uns außerdem mit American Express (AMEX) zusammen. Anschließend hinterlegte ich eine Kreditkarte mit einem Zahlungsziel von 58 Tagen bei unseren Händlern. Damit konnten wir die ausstehenden Zahlungen für Produktlieferungen weiter nach hinten schieben und kurzfristig mehr Kapital für den Aufbau unseres Unternehmens verfügbar machen“, erklärt Felix.

Eine weitere Maßnahme zur Verbesserung des Cashflows war die Abwicklung der Logistik über einen kleinen Spediteur, der auch Zahlungsziele an kleine Unternehmen vergab. SNOCKS vereinbarte eine SEPA-Lastschrift und bezahlte die Zollgebühren sowie die Umsatzsteuern gesammelt monatlich, zwei Wochen nach der Lieferung. Eine weitere Möglichkeit, die Felix und Johannes nutzten, um ihre Zahlungsausgänge zu verzögern und über mehr Kapital für neue Investitionen zu verfügen.

Warenfinanzierung als Lösung des Problems Cash Flow

Der entscheidende Schritt war schließlich die Zusammenarbeit mit einem Warenfinanzierer. Wir verglichen zuerst die verschiedenen Anbieter wie Myos, VAI und Fulfin. Denn alle haben unterschiedliche Preismodelle, Voraussetzungen und technische Ansätze“, so Felix.

„Die meisten Finanzierer benötigen eine Sicherheit – das ist meist die Ware selbst. Bei einigen Anbietern muss sie dafür in speziellen Lagern aufbewahrt werden. Das war für uns jedoch ein Knackpunkt, denn SNOCKS hat mittlerweile ein eigenes Warenlager und wir wollten unsere Produkte nur ungern in einem fremden Lager unterbringen“, so Felix.

Auch deshalb hat sich SNOCKS für eine Zusammenarbeit mit VAI entschieden: „Die Ware bleibt somit bei uns im Lager, obwohl die Rechnung auf den Warenfinanzierer umgeschrieben und in unserem Namen beglichen wird.“

Das Umschreiben der Rechnung sieht der Gründer dabei keinesfalls als Nachteil. Von den Lieferanten hat er weder negatives Feedback erhalten, noch haben die Zulieferer das Vertrauen verloren. Im Gegenteil: „Die Lieferanten sehen es sogar als Zeichen von Stabilität und Vertrauenswürdigkeit, dass ein Warenfinanzierer uns Geld leiht.“

Transparente Preisgestaltung ohne Papierkram

Ein weiterer entscheidender Punkt für die Zusammenarbeit mit VAI ist für die SNOCKS-Gründer die transparente Preisgestaltung. „Manche Anbieter haben komplizierte oder undurchsichtige Preismodelle. Uns ist es wichtig, am Ende des Tages zu wissen, was wir zahlen“, sagt Felix.

Und auch der VAI-Service punktet bei SNOCKS, da die Firma für Zahlungsvorgänge ohne umständlichen Papierkram auskommt: „Wenn eine Zahlung ansteht, muss ich lediglich eine umgeschriebene Rechnung hochladen und die Zahlung wird ohne weitere Schreibarbeit übernommen – ganz einfach.“

Warum Warenfinanzierung anstelle eines Bankkredits?

Der geringere Aufwand und die schnellere Abwicklung der Zahlungen sind der Hauptgrund, warum die Unternehmer einen Warenfinanzierer beauftragen, statt einen Bankkredit zu nehmen: „Die Gewährung und Auszahlung eines Bankkredits dauert oft Monate und ist mit einer Menge Papierkram und unzähligen Terminen vor Ort verbunden“, weiß Felix zu berichten. Außerdem kann die Finanzierungslinie von VAI, einmal freigeschaltet, immer wieder genutzt werden. Ohne Neuantrag. „Die Warenfinanzierung funktioniert im Gegensatz dazu schnell und digital – auch von Bali aus, wo sich viele unserer Mitarbeiter die meiste Zeit des Jahres aufhalten.“

Wohin geht die Reise?

Und nicht nur die Mitarbeiter sollen weiterhin die Möglichkeit haben, in fernen Ländern zu arbeiten. Wenn es um die Zukunft geht, hat SNOCKS große Pläne und möchte das Ausland weiter für sich erobern. Felix beschreibt sie wie folgt: „Wir wollen noch mehr im Ausland verkaufen – Japan und Australien sind interessant, weil dort Sneaker-Saison ist, wenn es hier bei uns kalt ist. Außerdem haben wir vor, unsere Produktpalette zu vergrößern und alle Arten von Unterwäsche für den Mann anbieten.“

Daneben wollen die beiden Gründer das Potenzial von Google Shopping, den sozialen Medien und Influencer-Marketing weiter ausschöpfen, um SNOCKS noch erfolgreicher zu machen. Und mit genügend Kapital durch optimales Cashflow-Management haben sie die Möglichkeit, immer ausreichend Ware auf Lager zu haben und ungehindert zu wachsen.

Mehr Kapital – mehr Ware – mehr Umsatz

Die Geschichte von SNOCKS zeigt, wie ein erfolgreicher Onlinehandel funktionieren kann. Mit einer guten Idee und der richtigen Unterstützung haben Felix und Johannes in wenigen Jahren ein erfolgreiches Business aufgebaut und sind Teil eines Marktes mit stetig wachsenden Umsätzen.

Neben ihrem Ideenreichtum und ihrem Durchhaltevermögen hat ihnen eine schnelle und unkomplizierte Finanzierung dabei geholfen, Flexibilität und Spielraum für ihr Geschäft beizubehalten. Jede Investition ist schließlich ein Vertrauensvorschuss, über den die SNOCKS-Gründer sehr dankbar sind.

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