Vielen Onlinehändlern, die grenzüberschreitend verkaufen wollen, bereitet das Thema Steuerrecht echte Kopfschmerzen. Das zeigt eine 2018 weltweit durchgeführte Studie von Statista, zum Thema Internationalisierung. Mehr als ein Drittel der befragten Gründer und Führungskräfte gaben Steuern als Risikofaktor an, der den Internationalisierungsprozess erschwert.

Um Online-Unternehmern zu ermöglichen, ohne Steuerrisiko im EU-Ausland zu verkaufen, gründete Dr. Roger Gothmann 2016 gemeinsam mit zwei Geschäftspartnern die Firma Taxdoo. Die Compliance-Plattform für die digitale Ökonomie bildet für die führenden Onlinehändler in Europa neben der Abwicklung der laufenden EU-weiten Umsatzsteuer-Compliance, Intrastat und Finanzbuchhaltung (Taxdoo ist offizieller Partner der DATEV) noch zahlreiche weitere Compliance-Services sicher & effizient über eine einzige Plattform ab.

Im Interview erläutert Gothmann, weshalb das Thema Umsatzsteuer so wichtig ist, welches die häufigsten Steuer-Stolpersteine für Onlinehändler sind und wie Unternehmer sie vermeiden können.

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Ist der E-Commerce dem Steuerrecht voraus?

Automatisierungstools erleichtern die Steuercompliance

Ihr Onlineshop ist in wenigen Wochen live gegangen und eine wirkungsvolle Social Media Marketing-Kampagne lockt kurze Zeit später zahlreiche Kunden auf Ihre Webseite. Für den reibungslosen Ablauf Ihrer Geschäftsprozesse, wie beispielsweise die Rechnungserstellung, nutzen sie Automatisierungs-Tools. Um besonders schnell liefern zu können, arbeiten Sie mit einem Fulfillment-Dienstleister.

Auf dem digitalen Markt gibt es für jeden langen Prozess eine Abkürzung, Ländergrenzen sind kaum spürbar und Updates stehen auf der Tagesordnung. Dieser Flexibilität steht ein starres Steuerrecht gegenüber, welches die digitale Ökonomie bis heute nicht erfassen kann, erklärt Dr. Roger Gothmann.

Außerdem sagt der Experte, dass der E-Commerce dem Steuerrecht somit Jahrzehnte voraus ist. Trotzdem unterliegt auch der Onlinehandel den allgemeingültigen Steuerregelungen. Sobald digitale Leistungen wie Onlineverkäufe ins Spiel kommen und Sie grenzüberschreitend Umsätze erzielen, werden Steuern zu einem wirklich komplexen Thema. Um Fehler zu vermeiden, sollten Sie sich als Händler deshalb vor allem mit der Umsatzsteuer genauer auseinandersetzen.

Die besondere Rolle der Umsatzsteuer

Die Umsatzsteuer gilt als wichtigste Einnahmequelle für Bund und Länder. Sie besteuert den Konsum; soll also erst dann anfallen, wenn tatsächlich ein Leistungsverbrauch stattfindet. Zwischenhändler müssen deshalb keine Umsatzsteuer abgeben und können diese als Vorsteuer absetzen.

Warum sollten Unternehmer ausstehende Umsatzsteuerzahlungen so schnell wie möglich begleichen?


Als Unternehmer ist es Ihre Aufgabe, die Umsatzsteuer einzutreiben und an den Staat abzuführen. Sie sind sprichwörtlich der verlängerte Arm des Finanzamtes. Wenn Sie diese Steuer nicht fristgerecht zahlen, rutschen Sie schnell ins Steuerstrafrecht.

Für den Handel zwischen Unternehmen gilt das sogenannte Neutralitätsprinzip, welches die Vorsteuer-Erstattung für Transaktionen regelt, die keinen Konsum zur Folge haben. Vergessen Sie die Abführung dieser Vorsteuer versehentlich, gilt dies als Betrug und es droht Ihnen eine deftige Strafe. Ein Szenario, welches sich vermeiden lässt, wenn Sie einen Compliance-Prozess aufsetzen, der die geltende Umsatzsteuerregelung berücksichtigt.

Die 5 häufigsten Steuerfehler – das kann Ihrem Unternehmen blühen

Vor der Gründung von Taxdoo war Dr. Roger Gothmann über ein Jahrzehnt für das Bundesfinanzverwaltungsamt tätig und führte zahlreiche Umsatzsteuer-Sonderprüfungen durch. Einigen Steuer-Fauxpas begegnete er dabei immer wieder und rät Unternehmern deshalb auf folgende Sachverhalte besonders zu achten:

1. Unwissenheit schützt nicht vor Konsequenzen

Den wohl häufigsten Fehler begehen Sie, indem Sie Steuerangelegenheiten schlichtweg vernachlässigen. Wenn Sie noch immer alle Rechnungen in einem Dropbox-Ordner abspeichern und diese irgendwann im Nachgang bearbeiten, laufen Sie Gefahr, Flüchtigkeitsfehler zu begehen.

Ist erst einmal ein Fehler im System, kann dieser schnell zum Lauffeuer werden. Nicht selten wird dieser dann erst nach Jahren bei der Betriebsprüfung aufgedeckt, was teure Konsequenzen haben kann.

Tipp: Werden Sie sich Ihren Pflichten, wie der Umsatzsteuer-Compliance als Teilnehmer der digitalen Wirtschaft bewusst und richten Sie ab der ersten Rechnung skalierbare Compliance-Prozesse ein.

2. In der Rechnung steckt nicht immer die Wahrheit

Sie erhalten eine Rechnung, auf der kein Mehrwertsteuerbetrag ausgewiesen wird und nehmen deshalb an, dass keine Umsatzsteuer entsteht. Diese Annahme ist jedoch ein Trugschluss.

Eine Umsatzsteuer wird immer dann fällig, wenn ein Unternehmer eine Leistung erbringt und der Empfänger der Leistung ein Verbraucher ist. Konsumieren Sie beispielsweise Musik von einem Streaming-Anbieter wie Spotify, wird eine Umsatzsteuer fällig, egal ob Spotify diese auf der Rechnung ausweist oder nicht.

Tipp: Auch wenn Sie eine Rechnung ohne Mehrwertsteuerbetrag erhalten, ist es Ihre Verantwortung als Unternehmer zu prüfen, ob Sie daraus Umsatzsteuer abführen müssen (Reverse-Charge-Verfahren – siehe 3.).

3. Sie tragen die Umsatzsteuerschuld für Leistungen aus dem Ausland

Sie nutzen digitale Leistungen wie ERP-Systeme, Rechnungstools oder Dienste wie Google Ads von Anbietern, die nicht in Deutschland ansässig sind? Auch hierfür entsteht eine Umsatzsteuer, egal in welchem Land der Leistungserbringer sich befindet. Als Leistungsempfänger tragen Sie in diesem Fall die Umsatzsteuerschuld.

Tipp: Prüfen Sie, welche digitalen Leistungen Sie von ausländischen Anbietern konsumieren und berechnen Sie die abzugebende Umsatzsteuer selbst, falls diese auf der Rechnung nicht ausgewiesen ist.

4. Umsatzsteuerzahlungen an das falsche Finanzamt

Ihr Unternehmen hat seinen Sitz in Deutschland. Doch heißt das auch, dass alle Steuerbeträge ausschließlich an das deutsche Finanzamt gezahlt werden müssen?

Nein. Es gibt sogenannte Lieferschwellen, die eine Umsatzgrenze für im Ausland abgesetzte Lieferungen festlegen. Für Umsätze an Endverbraucher, die diesen Grenzbetrag überschreiten, wird eine Umsatzsteuer im jeweiligen Absatzland fällig.

Vernachlässigen Sie die internationale Umsatzsteuerpflicht, droht Ihnen eine fette Nachzahlung an das ausländische Finanzamt. Haben Sie den Betrag bereits fälschlicherweise an das deutsche Finanzamt gezahlt, müssen Sie die Steuer temporär doppelt bezahlen. Rückerstattungen vom Finanzamt dauern in der Regel eine Weile. Kleine Unternehmen können diesen Zeitraum oftmals nicht durch ihre Marge überbrücken und geraten so schnell in Liquiditätsprobleme.

Tipp: Überwachen Sie Ihre Lieferschwellen deshalb konstant und achten Sie darauf, in welchem Land die Umsatzsteuer abgeführt werden muss. Für einen verbesserten Liquiditätsfluss können Sie sich darüber hinaus Hilfe von einem Warenfinanzierer holen.

5. Fehlende Versteuerung verschenkter Artikel

Ein weiterer Trugschluss ist die Annahme, dass keine Umsatzsteuer anfällt, wenn Sie Artikel an Ihre Kunden verlosen oder verschenken. Besondere Vorsicht ist deshalb bei der Verbreitung steuerrechtlicher Informationen geboten, beispielsweise bei Promotion-Aktionen auf der eigenen Webseite und auf Social-Media-Kanälen. In diesem Fall entsteht eine Umsatzsteuer in Höhe des Einkaufspreises oder Herstellungspreises.

Werden die Artikel nicht gesetzeskonform versteuert, führt dies spätestens bei einer Betriebsprüfung zu Problemen.

Tipp: Sprechen Sie gemeinsam mit Ihrem Steuerberater betreffende Aktionen durch, um ein steuerliches Risiko zu vermeiden.

So berechnen Sie die Umsatzsteuer richtig

Rechnungsprüfung für eingehende und ausgehende Rechnungen

Für die meisten Onlinehändler ist der eigene Steuerberater hierfür die erste Anlaufstelle. Da das internationale Steuerrecht so komplex ist, hat jedoch nicht jeder Steuerberater automatisch ein umfassendes Wissen über grenzüberschreitende Steuerangelegenheiten.

Grundsätzlich sollten Sie oder Ihr Steuerberater jede Rechnung überprüfen. Sowohl Eingangs- als auch Ausgangsrechnungen sind im E-Commerce zahlreich und ständig im Wandel, sodass eine manuelle Prüfung mit einem hohen Aufwand und vielen Fragen verbunden ist.

Ein paar davon wollen wir im Folgenden beantworten:

Muss auf einen gespendeten Euro pro Verkauf Umsatzsteuer gezahlt werden?

Ja. Die Umsatzsteuer wird für den gesamten Kaufbetrag erhoben. Spenden können lediglich über die Ertragssteuer abgesetzt werden.

Wie berücksichtige ich die aktuelle Mehrwertsteuersenkung?

Seit dem 1. Juli fallen statt 19 Prozent, nur noch 16 Prozent Mehrwertsteuer an; für Lebensmittelvertreiber lediglich 5 Prozent. Maßgeblich ist hier der Zeitpunkt, zu dem die Ware versendet wird.

Für die Eingangsleistung gilt: Achten Sie darauf, dass der Unternehmer, von denen Sie die Leistung beziehen, den richtigen Steuersatz abrechnet.

Stichwort Marktplatzhaftung: Was bringt die neue RegID?

Marktplätze wie Amazon & Co. haften für den Fall, dass Händler ihre Umsatzsteuer nicht abführen. Im Zweifel wendet sich der Fiskus an den Marktplatz, es sei denn, der Marktplatz kann nachweisen, dass der Unternehmer bisher all seine steuerlichen Pflichten erfüllt hat.

Dieser Nachweis wurde bislang durch eine Papierbescheinigung erbracht, die nun durch die RegID abgelöst werden soll, um das Betrugsrisiko zu senken.

Automatisierte Umsatzsteuer für die digitale Ökonomie

Steuer-Tools wie Taxdoo können den manuellen Prüfungsaufwand minimieren, genauso wie das Fehlerrisiko. Ein Algorithmus erkennt automatisch, woher eine Leistung stammt und ob Sie als Empfänger eine Umsatzsteuer abführen müssen.

Dank einer EU-weiten Umsatzsteuerlogik werden Transaktionen umgehend bewertet und geben beispielsweise eine Antwort darauf, ob eine Produktlieferung nach Österreich vor Ort oder in Deutschland versteuert wird. Auf diese Weise kann der Übergang einer Lieferschwelle deshalb nahtlos und risikofrei verlaufen.

Haben Sie Ihre Steuern im Blick?

Für kleine und mittelständische Unternehmen können bereits kleine Steuerfehler zu Existenz-bedrohlichen Liquiditätsengpässen führen. Ein langfristiger Geschäftserfolg hängt deshalb nicht nur von hohen Umsätzen und einer guten Marketingstrategie ab, sondern erfordert ebenfalls skalierbare Compliance-Prozesse. Informieren Sie sich über relevante Steuerfragen und prüfen Sie Ihre Umsatzsteuerpflicht sowohl im In- als auch im Ausland für jede Rechnung.

Wie Sie sehen, sind Steuern ein umfangreiches Thema und es ist kein Wunder, das Geschäftsführer aufgrund der zahlreichen Anforderungen von Kopfschmerzen geplagt werden. Dank Automatisierungs-Tools wie Taxdoo gibt es jedoch smarte Lösungen, die Steuerfragen beantworten und Rechnungen automatisch bewerten, damit Sie sich voll und ganz aufs operative Geschehen konzentrieren können.

Wenn Sie mehr darüber erfahren möchten, wie Taxdoo Sie dabei unterstützen kann, Ihre Compliance-Prozesse sicher und effizient über eine Plattform aufzusetzen, buchen Sie ganz einfach hier Ihr individuelles und kostenloses Erstgespräch mit einem der Compliance-Experten bei Taxdoo oder melden Sie sich jetzt für das regelmäßig stattfindende Taxdoo Demo-Webinar an, in dem Ihnen die Compliance-Services vorgestellt und Ihre Fragen persönlich beantwortet werden.

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