Logistik und Militär? Was hat die Logistik mit Soldaten und Militärmaschinen zu tun? Im 19. Jahrhundert verstand man den Begriff noch gänzlich in diesem Kontext. Von dem französischen „logistique“ abgeleitet, beschrieb er die Beförderung von Truppen, Waffen und Maschinen.

Seitdem hat sich der Ausdruck jedoch enorm gewandelt: Heute ist er eng mit dem Handel verbunden. Wir sprechen von Logistik, wenn es um den Transport und die Lagerung bestimmter Produkte und Güter geht, die von Produzenten oder Händlern organisiert, verwaltet und anschließend an ihre Kunden geliefert werden müssen.

Schwierigkeiten, vor denen schon früher die Armeen verschiedener Länder standen, nämlich ihre Einsatzkräfte zu einer bestimmten Zeit am richtigen Ort zu positionieren, ziehen sich heute durch die verschiedenen Unternehmensbranchen. Produkte müssen zum richtigen Zeitpunkt angewiesen werden, um rechtzeitig an Kunden geliefert zu werden. Vorräte müssen kalkuliert werden, damit die Kosten für deren Lagerung im Rahmen bleiben.

Unabhängig von den verkauften Produkten, zeigen sich bei einer Vielzahl an Unternehmen deutliche Verbesserungspotenziale, nicht nur im Bereich Logistik, wie es früher beim Militär der Fall war, sondern auch in den darüber hinaus gehenden Bereichen der Lieferantenkoordination, der Lagerhaltung und des Vertriebs: im sogenannten Supply Chain Management.

Fehlt in der Versorgungskette auch nur ein Glied oder laufen die einzelnen Arbeitsschritte nicht rund, können Kunden nicht beliefert werden und kaufen bei einem anderen Unternehmen. Ist das Lager hingegen übervoll, können Kunden zwar stetig versorgt werden, doch die Kosten für das Lager steigen ins Unermessliche und die Liquidität der Händler schrumpft.

Unser Gespräch mit Benedikt Klarmann, dem Geschäftsführer der Junglück GmbH, zeigt, welchen Einfluss eine komplexe Lieferkette auf den Cashflow eines Unternehmens hat und wie Sie als Unternehmer mit einem durchdachten Supply Chain Management (SMC) dafür sorgen können, dass von der Bestellung bis zur Lieferung alles reibungslos läuft.

Hier könnt ihr euch das Gespräch mit Benedikt, CEO von Junglück, zum Thema Supply Chain anhören:

Apple Podcast
Spotify Podcast
Google Podcast

Junglücks Herausforderung mit Lagerbeständen und Lieferzeiten

Junglück ist ein Bio-Kosmetik-Label, das erfolgreich neue Standards in der Beauty-Branche setzt. Vegane Inhaltsstoffe und ein hohes Maß an Umweltverträglichkeit von der Produktion bis hin zur Distribution sind nur zwei der Erfolgsfaktoren des Unternehmens. Darüber hinaus haben Benedikt und sein Team einen Weg gefunden, die Prozesse rund um die Supply Chain profitabel zu organisieren.

Besonders Geschäftsmodelle, denen eine umfangreiche Ressourcenbeschaffung und Produktion zugrunde liegen, möchten diese Komplexität durch große Lagerbestände kompensieren. So hält auch Junglück seine Lagerbestände hoch. Die Warenproduktion des Unternehmens nimmt in der Regel drei bis vier Monate in Anspruch. Ein Zeitraum, in dem die Produkte zwar noch nicht an Kunden verkauft werden können, in dem aber dennoch Bestellungen eingehen.

Mit dieser Diskrepanz muss der Onlinehändler umgehen. Benedikt hat für Junglück ein Supply Chain Management etabliert, das die Risiken, die steigende Bestellzahlen mit sich bringen können, ausgleicht. Ein leeres Lager hätte verheerende Folgen auf die Wartezeit seiner bis dato sehr zufriedenen Kunden. Aus diesem Grund behält er die Orderzahlen ständig im Blick und reagiert schnell auf steigende Nachfragen, indem er seine Produktvorräte auffüllt und erhöht, falls mit kontinuierlich höheren Bestellzahlen zu rechnen ist.

Exkurs: Was genau ist Supply Chain Management?

Das Supply Chain-Management befasst sich mit der Planung, Steuerung und Optimierung sämtlicher Waren, den Informations- und Geldflüssen entlang der Wertschöpfungskette eines Unternehmens. Von der Wahl des Lieferanten über die Ressourcenplanung bis zur Lieferung an den Endkunden sollen sämtliche Prozesse hinsichtlich ihrer Kosten und Durchlaufzeiten optimiert werden.

Die Fragen des Supply Chain Managements

Als Grundlage beim Aufbau des Supply Chain-Managements müssen Händler sich folgende Fragen stellen:

  • Wie kann die Beauftragung sämtlicher Hersteller und Lieferanten möglichst einheitlich erfolgen?
  • Wie lassen sich Bestellschwankungen mit möglichst niedrigen Lagerbeständen bewältigen?
  • Können Durchlaufgeschwindigkeiten in der Lieferkette bei gleichbleibender Flexibilität erhöht werden?
  • Ist es möglich die Qualitätsverantwortung beim vorangehenden Glied der Wertschöpfungskette anzusiedeln?
  • Wie kann bei Lieferengpässen die Aufrechterhaltung der Fristen gegenüber dem Kunden bewerkstelligt werden?

Vorausschauend planen: den optimalen Lagerbestand berechnen

Den Lagerbestand auf einem optimierten Niveau zu halten gehört zu den grundlegendsten Maßnahmen des Supply Chain-Managements. Auf den Punkt gebracht stehen Sie vor der Frage: Wie viel Ware muss höchstens eingelagert werden, um Kunden weiterhin die gewünschte Lieferzeit anbieten zu können, und wie geben Sie gleichzeitig möglichst wenig Geld für Lagerbestände aus?

Die Notwendigkeit einer Optimierung zeigt sich bei komplexen Lieferketten und langen Durchlaufzeiten, wie sie Junglück aufweist, sehr schnell. Von der Bestellung bis zur Lieferung in ihr Lager vergehen im Schnitt lange 13 bis 17 Wochen. Benedikt möchte für seine Kunden natürlich keine Verzögerungen im Bestellprozess hinnehmen. Wie voll muss das Lager tatsächlich sein, um beim aktuellen Unternehmenswachstum, Kunden dennoch in gewohnter Zeit mit Kosmetikprodukten versorgen zu können?

Zur Kalkulation für Ihr Unternehmen sollten Sie folgende Werte betrachten:

  1. Mindestbestand
  2. Meldebestand
  3. Höchstbestand

1. Der Mindestbestand: den Wert für die eiserne Lagerreserve berechnen

Der Sicherheitsbestand oder Mindestbestand erfüllt den Zweck, die Auswirkungen außerordentlicher Vorkommnisse abzufedern. Das heißt, dass der Betrieb, zumindest zeitlich begrenzt, ohne Folgen aufrechterhalten werden soll, wenn es zu Komplikationen in der Lieferkette kommt.

Für das Beispiel Junglück bedeutet das: Die hohen Lagerbestände des Unternehmens liegen nicht nur darin begründet, dass es die hohe Nachfrage nach veganen Pflegeprodukten ihrer Marke bedienen muss. Zugleich sollen durch die Produktvorräte etwaige Ausfälle bei Zulieferern von Inhaltsstoffen oder Verpackungsmaterialien abgefangen werden. In Zeiten des Coronavirus kann es beispielsweise dazu kommen, dass einzelne Glieder der Versorgungskette ausfallen. Wer Vorräte für zwei bis drei Monate besitzt, kann seine Kunden dennoch weiterhin versorgen.

Die Wiederbeschaffungszeit zwischen Bestellung und Anlieferung bildet mit dem Tagesverbrauch die Grundlage zur Berechnung des Mindestbestands:

Diese benötigten Werte sind Branchenspezifisch und ergeben sich großteils aus Ihren Erfahrungen mit Zulieferern für Ihre Produkte. Den Mindestbestand können Sie wie folgt berechnen:

2. Der Meldebestand: Automatische Neubestellungen einrichten

Um eine Untergrenze des Lagerbestandes zu definieren, führen Sie sinnvollerweise einen Meldebestand ein. Also den Minimalbestand, den Ihr Lager vorweisen darf, bevor automatisch eine neue Bestellung bei Ihren Zulieferern ausgelöst wird. Ziehen Sie dafür folgende Formel heran:

Anmerkung: Da sich der Meldebestand und der Mindestbestand gegenseitig bedingen, das heißt, für die Berechnung des Meldebestandes wird der Wert des Mindestbestands benötigt und andersherum, ist es unumgänglich Schätzungen vorzunehmen. Kalkulieren Sie daher unter Einbezug der von Ihnen monatlich bearbeiteten Bestellungen und der Zeit, die Sie benötigen, um neue Waren zu ordern, was die Untergrenze Ihres Lagerbestandes sein darf.

3. Der Höchstbestand: das Lager nicht überfüllen

Leider haben zu hohe Lagerbestände ebenso wie leer geräumte Regale Nachteile. Lagern Sie zu große Mengen Ihrer Produkte, binden Sie zugleich große Kapitalmengen und beeinflusst damit die Liquidität Ihres Unternehmens. Das bedeutet, je länger bezahlte Ware Ihre Lager füllt, ohne Umsätze zu generieren, desto weniger Finanzkraft haben Sie für Nachbestellungen oder andere wichtige Investitionen.

Aus diesem Grund kommt ein zusätzlicher Wert, der Höchstbestand, ins Spiel. Er stellt sozusagen das Gegenstück zum Mindestbestand dar und erfüllt vorrangig den Zweck, dass keine überflüssig hohen Bestände aufgebaut werden.

Besonders bei Waren, die einen starken Preisverfall aufweisen, sollte auf eine möglichst kurze Verweildauer im Lager geachtet werden – elektronische Geräte sind hierfür ein gutes Beispiel. Eine Faustformel für die Berechnung des Höchstbestands lautet:

Die Strategie für Ihre Lagerbestände – erhöhen Sie Ihre Liquidität

Die drei Werte Mindestbestand, Meldebestand und Höchstbestand im Blick, schafft es Junglück ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Lagerkosten und Liefersicherheit für seine Kunden zu erhalten.

Doch für diesen Balanceakt spielen stets auch finanzielle Mittel eine Rolle. Das im Lager gebundene Kapital steht dem Unternehmen nicht zur Verfügung, um neue Lieferungen zu bezahlen. Der Junglück Gründer betrachtete daher die folgenden Möglichkeiten, das verfügbare Kapital des Unternehmens zu erhöhen:

  1. Das Eigenkapital durch Bareinlagen erhöhen.
  2. Neue Gesellschafter gewinnen, die Kapital in das Unternehmen einbringen, indem sie Anteile erwerben.
  3. Kredite bei der Bank aufnehmen.
  4. Die Liquidität mit hilfe eines Warenfinanzierers erhöhen.

Benedikt war es immer wichtig, sein eigener Herr zu bleiben. Den enormen Aufwand einen Bankkredit aufzunehmen oder Unternehmensanteile an Gesellschafter abzugeben, kam für ihn daher ebenso wenig infrage wie für viele andere Händler.

„Man kriegt Geld von Banken, wenn man es nicht braucht, wenn man es benötigt, bekommt man es nicht.“

Der Einsatz von Eigenkapital war daher lange das Mittel seiner Wahl. Doch selbstverständlich birgt es ein persönliches Risiko, finanzielle Rücklagen in ein Unternehmen einzubringen, das wirtschaftlichen Schwankungen unterliegt und von den Interessen seiner Kunden abhängt. Daher beauftragt der Gründer heute zusätzlich einen Warenfinanzierer, der ihm unbürokratisch zu mehr Liquidität verhilft. Die Rechnungen seiner Lieferanten werden seit dem von den Dienstleister beglichen und von Junglück erst zu einem späteren Zeitpunkt (meist 90 Tage) zurückgefordert.

Die Lagerbestände in einem gesunden und sicheren Rahmen zu halten wird dadurch zum Kinderspiel, ohne dass ein Kontrollverlust oder Abhängigkeiten zu Banken entstehen.

Tipps für ein erfolgreiches Lieferanten-Management

Doch das Supply Chain Management ist an diesem Punkt natürlich noch nicht zu Ende. Unerlässlich für die Versorgung Ihres Unternehmens sind zuverlässige Lieferanten, weshalb auch das Zulieferer-Management zu den Kernaufgaben der Planung der Versorgungskette gehört.

So lassen sich beispielsweise Lagerbestände oft durch bessere Zusammenarbeit mit Ihren Partnern senken. Kürzere Lieferzeiten, weniger Ausfälle und eine höhere Qualität der Ware, erlauben es, Ihren Lagerbestand gering zu halten. Die Tätigkeiten im Lieferanten-Management lassen sich in drei Bereiche gliedern:

Die drei Tätigkeitsbereiche des Lieferanten-Managements

Klassifizieren Sie Ihre Lieferanten

Abhängig von den Unternehmenszielen beginnt eine sinnvolle Selektion von Lieferanten bereits bei der Akquise. Am Beispiel Junglück lassen sich klare Vorgaben hinsichtlich der Thematik Nachhaltigkeit und Umsetzbarkeit erkennen. Diese umfassen die damit verbundenen Anforderung an die Herstellung, die Abfüllung in Glasbehälter sowie die Versandverpackung der Kosmetikprodukte. Eine Klassifizierung möglicher Lieferanten kann beispielsweise nach folgender Gruppierung erfolgen:

Diese Gliederung liefert Ihnen eine erste Liste Ihrer bevorzugten Lieferanten, die es im nächsten Schritt zu bewerten gilt.

Bewerten Sie Ihre Lieferanten

Vier grundlegende Bereiche eignen sich besonders, um die allgemeine Qualität Ihrer Lieferanten offenzulegen:

  1. Preise und Konditionen
  2. Wahrscheinlichkeit/ Häufigkeit von Fehlern und Verzug in der Lieferung
  3. Qualität von Produkten, Rohstoffen, Verpackungen etc.
  4. Zuverlässigkeit (Lieferausfälle, Nachhaltigkeit und Flexibilität der Arbeitsweise etc.)

Gemäß Ihren Prioritäten können diese Faktoren gewichtet in Ihre Bewertung einfließen. Junglück setzt beispielsweise auf sehr hochwertige Produkte, weshalb die Qualität ihrer Waren eine größere Rolle für die Bewertung eines Zulieferers spielt als dessen Termintreue oder Preis. Haben Sie sich für Ihre Lieferanten entschieden und kooperieren mit diesen, folgt die Entwicklung einer langfristig effizienten Zusammenarbeit.

Entwickeln Sie Ihre Lieferanten

In einer idealen Welt beauftragen Sie ideale Lieferanten, doch die gibt es nicht. Unterziehen Sie Ihren Zulieferer daher regelmäßigen Kontrollen, hinsichtlich der Qualität der Produkte, logistischer und administrativer Prozesse.

Missstände oder leichte Mängel müssen dabei längst nicht in einem Wechsel des Lieferanten resultieren, vielmehr können in der Zusammenarbeit Verbesserungen für beide Seiten erarbeitet werden, die eine geschäftlichen Bindung förderlich sein können. Fordern Sie, wo möglich, Service-Level-Agreements (SLA) ein und messen Sie deren Einhaltung kontinuierlich.

Den Überblick behalten mittels Supply Chain Management

Nichts ist dem Gedanken einer funktionierenden Versorgungskette heute so fern wie die Vorstellungen von Militärtruppen, die zu einem Einsatzort transportiert werden. Stattdessen ist der Begriff der Logistik im 21. Jahrhundert fest in der Wirtschaft und im Handel verankert. Sämtliche Maßnahmen Ihres Unternehmens und mit ihnen Lagerprozesse sowie Lieferanten- und Warenbestandsplanung sind Teil des Erfolgs eines Unternehmens, wie am Unternehmen Jungblut deutlich wird.

Die Auseinandersetzung mit dem Supply Chain Management, legt nicht nur ungenutzte Potenziale in den Prozessen Ihres Unternehmens frei, sondern kann, wie von Benedikts Team erfolgreich umgesetzt, großen Einfluss auf die Steigerung Ihrer Liquidität nehmen. Pflegen und optimieren Sie Lieferantenkontakte, achten Sie auf Effizienz im Lager und nutzen Sie smarte Finanzierungsmöglichkeiten, um gebundenem Kapital den Kampf anzusagen.

Lagerbestände smart vorfinanzieren?

Weltweit Lieferanten bezahlen mit 180 Tage längerem Zahlungsziel.

Jetzt starten