Woran lässt sich erkennen, dass ein Unternehmen erfolgreich ist? Viele würden sagen: Am Wachstum. Kein Wunder, wenn man beispielsweise die rasanten Aufstiegszahlen des Sportlernahrung Herstellers Foodspring betrachtet. Laut Angaben des Handelsblatts verzeichnete die Firma zwischen 2017 und 2018 eine Wachstumsrate von fast 290 Prozent. Um einen solchen Unternehmensausbau anzustoßen, braucht es nicht nur Glück und ein spannendes Produkt – sondern unternehmerische Strategien, wie sie beispielsweise das Working Capital Management bietet.

In diesem Beitrag erfahren Sie, was das Working Capital für Ihr Unternehmen bedeutet und wie Sie durch ein optimiertes Management mehr unternehmerische Freiheit erreichen.

Was ist Working Capital?

Als Working Capital (dt. Arbeitskapital) bezeichnet man eine Bilanzkennzahl zur Überwachung der Liquidität eines Unternehmens. Das gebundene Kapital wird aus der Differenz zwischen dem Umlaufvermögen und kurzfristigen Verbindlichkeiten berechnet. Im Working Capital Management ist es das Ziel, den Einsatz dieses gebundenen Kapitals zu verringern, um für mehr direkt verfügbares Kapital im Unternehmen zu sorgen.

Einblick in die Zahlungsfähigkeit des Unternehmens gewinnen

Unternehmer können ihr Working Capital errechnen und dadurch ableiten, ob ihre Firma über ausreichende Finanzmittel verfügt, um alle kurzfristigen Verbindlichkeiten aus eigenen Mitteln zu bezahlen. Die Kennzahl sollte also immer positiv sein. Ihre Optimierung ist aber nicht nur dann sinnvoll, wenn ihr Wert zu niedrig ist, sondern trägt allgemein zum Cashflow und zum Wachstum des Unternehmens bei.

Um das zu erreichen, kommt das Working Capital Management zum Einsatz. Es hilft dabei, die Kennzahl zu verbessern und sorgt dafür, dass das Unternehmen über mehr freies Kapital verfügt, das für das Wachstum relevant ist. Konkret möchte das Management also erreichen, dass möglichst wenig Geld im Unternehmensfluss gebunden ist – das ist etwa dann der Fall, wenn alle Ausgaben möglichst schnell durch Einnahmen gedeckt werden.

So berechnen Sie das Working Capital Ihres Unternehmens:

Liquide Mittel (Kassenbestand, Bankguthaben oder Wertpapiere)

+ Forderungen (z. B. von Lieferanten)

+ Waren / Produktionsteile im Lager

- kurzfristige Verbindlichkeiten (z. B. Dispo auf dem Bankguthaben)

+ geleistete Anzahlungen

- erhaltene Zahlungen (von Kunden)

= Working Capital

Mehr Cash? Mit konsequentem Working Capital Management ist es möglich

Der Cash Conversion Cycle

Neben der Errechnung des Working Capital bezieht sich das Controlling auch auf weitere Kennzahlen, die dabei helfen, den Cash Conversion Cycle (CCC) zu berechnen.

Was ist der Cash Conversion Cycle?

Der CCC gibt in Tagen an, wie lange es dauert, bis eingesetztes Kapital zu tatsächlich verfügbaren liquiden Mittel umgesetzt wird – etwa durch den Kauf und anschließende Zahlung eines Kunden.

So berechnen Sie Ihren Cash Conversion Cycle

DIO (Days inventory outstanding)

Mit DIO bezeichnet man die Tage, die Waren oder Fertigungsteile von der Anlieferung durch einen Handelspartner bis zur finalen Auslieferung an den Kunden in Ihrem Lager verbringen.

Die Formel zur Berechnung des DIO ist: (Lagerwert x 365)/ Nettoumsatz

DPO (Days payable outstanding)

Die Zeit, die Sie ab Rechnungserhalt benötigen, um die ausstehenden Forderungen eines Lieferanten zu bezahlen, wird als DPO bezeichnet.

Die Formel zur Berechnung des DPO: (Durchschnittliche Verbindlichkeiten x 365) / Nettoumsatz

DSO (Days sales outstanding)

Unter DSO wird hingegen die Zeit betrachtet, die Ihre Kunden im Schnitt für die Zahlung der Rechnung benötigen.

Die Formel zur Berechnung des DSO: (Durchschnittliche Forderungen x 365) / Nettoumsatz

Den Cash Conversion Cycle berechnen Sie schließlich folgendermaßen:

CCC = DIO + DSO – DPO

Je höher die Summe der Tage des errechneten Cash Conversion Cycles, also die Dauer des Geldumschlags ist, umso höher sind die Verbindlichkeiten, die ein Unternehmen vorfinanzieren muss. Auch hier setzen Strategen an, um den Finanzierungsbedarf zu reduzieren und die Kapitalstruktur des Unternehmens zu optimieren, indem sie die Dauer des CCC minimieren.

Ziele eines optimalen Working Capital Managements

Optimierung des Cashflows

Das Hauptziel eines versierten Managements ist die Erhöhung des verfügbaren Kapitals, das eine Firma zur Verfügung hat. Durch diesen optimierten Cashflow kann sich das Unternehmen auf Wachstum ausrichten. Es steht mehr Geld zur Verfügung, das in alles investiert werden kann, das ein Unternehmen voranbringt: Neue Maschinen, mehr Mitarbeiter oder auch Expansionen sowie das Vordringen in neue Märkte sind möglich.

Verbesserung der Finanzierungssituation

Durch die optimierte Bilanz des Unternehmens verbessert sich auch die Finanzierungssituation. Das ist dann von Vorteil, wenn Sie Fremdfinanzierungen für größere Investitionen, die das aktuelle Kapital übersteigen, aber grundlegend für das weitere Wachstum des Unternehmens sind, in Anspruch nehmen möchten.

Höhere Unternehmensbewertung

Ebenso kann durch eine Optimierung der Kennzahl der Unternehmenswert steigen. Denn dessen Kennzahlen finden auch bei Unternehmensbewertungen Beachtung, wodurch sich diese positiv auf die Bonität des Unternehmens auswirken.

Working Capital Management kann jeder Unternehmer/In sofort umsetzen

So bringen Sie Ihr Unternehmen auf Wachstumskurs

Als Händler ist es notwendig, alle Kennzahlen des Unternehmens stets im Auge zu behalten. Die KPIs (Key Performance Indicator, also relevante Kennzahlen) Working Capital und Cash Conversion Cycle geben Aufschluss darüber, wie es um die Liquidität des Unternehmens steht.

Je höher das Working Capital, umso besser – grundsätzlich sollte die Kennzahl immer positiv sein. Wird sie kleiner oder droht sogar, ins Negative zu sinken, ist Vorsicht angesagt. Nun gilt es, alle zusammenhängenden Positionen in der Bilanzierung, beispielsweise das Umlaufvermögen, auszuwerten, die Ursachen zu analysieren und Optimierungen anzustreben.

Unternehmensbilanz durch drei Bausteine verbessern

Bei der Optimierung Ihres Working Capitals kommt es auf die Kennzahlen des Cash Conversion Cycles an. Verbesserungen können Sie insbesondere in dessen Bausteinen vornehmen:

  1. Für die DSO im Bereich des Forderungsmanagement (Order to Cash)
  2. Für die DPO im Verbindlichkeitsmanagement (Purchase to Pay)
  3. Für die DSO im Lagerungs- und Produktionsprozess (Forecast to Fulfill).

Bestandsoptimierung (Forecast to Fulfill)

Ladenhüter, die die Lagerregale füllen oder Bauteile für Waren, die ersten Wochen nach Lieferung verbaut oder produziert werden – all das sind Beispiele für Kapital, das im Lager feststeckt und den Cashflow negativ beeinflusst. Bei der Bestandsoptimierung geht es vor allem um eine Verbesserung Planung, bei der sich Vorräte reduzieren und somit auch Lagerflächen sparen lassen. Dies wirkt sich positiv auf den Posten Waren des Umlaufvermögens und somit auch auf das Working Capital aus.

Digitale Rechnungsstellung (Purchase to Pay)

Je früher ein Kunde zahlt, desto besser. Somit erhalten Sie Ihre Forderungen schnell und verbessern damit den Cash Conversion Cycle. Eine digitale und automatisierte Rechnungsstellung im E-Commerce erspart Ihnen nicht nur Arbeit, sondern sorgt auch dafür, dass die Rechnung direkt nach dem Kauf zugestellt wird. Der Zahlungszeitraum beginnt dadurch früher, als bei einer Zustellung der Rechnung mit der Lieferung.

Verbessertes Mahnwesen (Purchase to Pay)

Auch sie gibt es leider: Kunden, die nicht oder nur sehr verzögert zahlen. Zum Ärger eines jeden Unternehmens bedeuten Sie nicht nur Geld, das fehlt, sondern auch einen zusätzlichen Aufwand und den Einsatz von Ressourcen. Eine Optimierung des Mahnwesens wirkt sich positiv auf Ihre DSO (Days sales outstanding) aus.

Wareneinkäufe vorfinanzieren lassen (Order to Cash)

Der Einkauf von Waren oder Fertigungsteilen, die zunächst noch beworben und an den Endkunden verkauft werden müssen, stellt die größte Schwierigkeit im Geldumschlag und somit auch im Working Capital dar. Eine Entlastung des unternehmerischen Kapitals erreichen Sie beispielsweise durch eine Vorfinanzierung der Waren.

Diese ermöglicht es Ihnen ganz ohne den langwierigen Bewilligungsprozess eines Kredits bei einer Bank und ohne umständliche Installationen von Apps oder die Anbindung einer Software an Ihren Shop, mit Ihrem Unternehmen durchzustarten. Selbst wenn Sie noch in der Anfangs- oder Aufbauphase des Business stecken, haben Sie somit die Möglichkeit Kunden jeder Zeit mit Ihren Produkten zu versorgen.

KPIs für das Unternehmenswachstum nutzen

Das Working Capital gibt einen guten Einblick in die Situation eines Unternehmens. Seine Kennzahlen und die sich daraus ergebenden Rückschlüsse sind aber zugleich mit Vorsicht zu genießen. Sie reflektieren schließlich nur den aktuellen, kurzzeitigen Status und geben beispielsweise keine Auskunft über kommende Zahlungseingänge oder anstehende Investitionsausgaben.

Dennoch ist die Kennzahl hervorragend geeignet, um das Unternehmen und seine Liquidität auf lange Zeit zu beobachten und ermöglicht es Unternehmern, negative Trends schnell zu erkennen und gegebenenfalls einzugreifen. Durch die konsequente Optimierung der Kennzahlen verbessern Sie Ihren Cashflow – und haben ausreichend Kapital zur Verfügung, um Ihr Unternehmen auf einen starken Wachstumskurs und somit zum Erfolg zu führen.

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Titelbild von Austin Distel. Weitere Bilder von QuinceMedia und Brooke Lark.